Hitze-Alarm
Gardasee verliert täglich über 7 Milliarden Liter Wasser
Der Pegel des Gardasees ist innerhalb weniger Wochen deutlich gesunken. Nach Angaben der italienischen Tageszeitung "L'Arena" fiel der Wasserstand in der letzten Juniwoche um rund zehn Zentimeter. Am offiziellen Messpunkt in Peschiera del Garda lag der Pegel mit 99 Zentimetern erstmals in diesem Jahr unter der Marke von einem Meter.
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Pegel sinkt deutlich
Laut Daten der Comunità del Garda lag der Pegel bei etwa 99 Zentimetern und damit rund 24 Zentimeter unter dem Wert vom selben Tag des Jahres 2025. Zeitweise beschleunigte sich der Rückgang auf etwa anderthalb Zentimeter pro Tag. Aktuelle Zahlen der Betreiberbehörde Aipo (Agenzia Interregionale per il fiume Po) zeigen, dass der Pegel am 1. Juli bei 94 Zentimetern lag.
Mehrere Ursachen gleichzeitig
Nach Angaben von "L'Arena" können an besonders heißen Tagen bis zu zwei Zentimeter Wasserstand allein durch Verdunstung verloren gehen. Auf die rund 370 Quadratkilometer große Oberfläche des Sees hochgerechnet entspricht das laut Berechnungen der Zeitung derzeit etwa 7,4 Millionen Kubikmetern beziehungsweise 7,4 Milliarden Litern Wasser pro Tag.
Hinzu kommt, dass die alpinen Schneereserven bereits im Frühjahr abgeschmolzen sind und seit Wochen kaum Niederschlag im Einzugsgebiet fällt. Auch aus dem Hauptzufluss Sarca gelangt derzeit vergleichsweise wenig Wasser in den See.
Ein weiterer Faktor ist die gezielte Wasserentnahme. Am Wehr von Salionze bei Peschiera del Garda regelt die Behörde Aipo, wie viel Wasser in den Fluss Mincio abgegeben wird. Dieses Wasser wird vor allem für die Bewässerung der Landwirtschaft in der Poebene genutzt.
Behörden beobachten Lage
Pierlucio Ceresa, Generalsekretär der Comunità del Garda, erklärte Ende Juni gegenüber italienischen Medien, dass die Aufsichtsbehörde Aipo vorsorglich gebeten worden sei, eine Reduzierung der Wasserabgabe aus dem See zu prüfen. Er betonte: "Der Sommer hat erst vor drei Tagen begonnen".
Das Wasser des Gardasees wird für die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung zahlreicher Anrainergemeinden, den Tourismus, die Schifffahrt, die Industrie und die Energieerzeugung genutzt. Laut italienischem Recht hat die Trinkwasserversorgung Vorrang vor der landwirtschaftlichen Nutzung.
Keine akute Krise
Nach Einschätzung von "L'Arena" entwickelt sich die aktuelle Hitzeperiode zu einer der intensivsten der vergangenen hundert Jahre in Norditalien. Nach aktuellen Wettermodellen könnte sie sich bis mindestens Anfang der zweiten Juliwoche hinziehen.
Trotz der sinkenden Pegel besteht derzeit kein Grund zur Panik. Mit einer durchschnittlichen Tiefe von rund 135 Metern, einer maximalen Tiefe von 346 Metern und einem Gesamtvolumen von schätzungsweise 50 Milliarden Kubikmetern zählt der Gardasee zu den wasserreichsten Seen Europas.
Frühere Krisenjahre zeigen deutlich niedrigere Wasserstände. Im Frühjahr 2023 fiel der Pegel zeitweise auf rund 45 Zentimeter. Der historische Tiefstwert wurde im September 2007 mit sieben Zentimetern gemessen. Von diesen Werten ist der Gardasee derzeit noch weit entfernt.
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