Schmuggel-Spur

Frachter mit 30 Tonnen Kokain abgefangen

© Getty Images
Weltweite Drogenbanden überschwemmen Europa mit einer geheimen Schattenflotte über Westafrika. Das drückt die Koks-Preise massiv.
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Der Frachter hatte schon viele Namen wie Superseven, Jade oder Boreas Scan. Berühmt wurde das Schiff schließlich unter dem Namen Arconian – ein reiner Fantasiename, um dem Frachter den Anschein nautischer Seriosität zu geben. Dies ist mittlerweile gängige Praxis in einer neuartigen Schattenflotte, mit der international vernetzte Drogenbanden Europa und damit auch den heimischen Markt in Österreich mit illegalen Substanzen überschwemmen. Die Spur des Schiffes führt dabei bis nach Deutschland.

Spanische Polizisten landeten auf der Arconian den größten Einzelfund von Kokain in der Kriminalgeschichte. Vor der Küste der Westsahara fing die Guardia Civil den Schüttgutfrachter ab und entdeckte mehr als 30 Tonnen Kokain an Bord. Im Bug des Schiffes hatten sich zudem sechs bewaffnete Männer aus den Niederlanden und Suriname versteckt. Zuvor lag der Frachter tagelang im Hafen von Freetown in Sierra Leone. Hinter dem Mega-Schmuggel vermuten spanische Sicherheitsbehörden den Niederländer Jos Leijdekkers, bekannt unter dem Spitznamen "Bolle Jos" („der dicke Jos“). Er gilt als einer der meistgesuchten Drogenkriminellen weltweit und als Kopf der brutalen Mocro-Mafia.

Drogenbosse wechseln die Routen

"Bolle Jos soll von Sierra Leone aus operieren, ist wahrscheinlich gar liiert mit der Tochter des Präsidenten", sagt Daniel Brombacher, Direktor der Beobachtungsstelle für organisiertes Verbrechen in Europa bei der Global Initiative against Transnational Organized Crime (Gitoc). Viele kriminelle Gruppierungen, darunter albanische Westbalkangruppen und die kalabrische ’Ndrangheta, haben ihre Präsenz in Westafrika massiv verstärkt. Sie nutzen die dortigen Häfen als Lager und Zwischenstation auf dem Weg von Südamerika nach Europa. Damit reagieren die Banden auf den Druck europäischer Behörden, die Großhäfen wie Hamburg, Rotterdam oder Antwerpen über Jahre scharf kontrollierten.

Preise im Keller

"Wer schon die Sektkorken hat knallen lassen, muss sich nun wohl eines Besseren belehren lassen", erklärt Brombacher mit Blick auf die vermeintlichen Erfolge der Ermittler. Ein klarer Beweis für die anhaltende Koks-Schwemme ist der Preisverfall: Lag der Preis für ein Kilogramm Kokain in den Niederlanden oder Belgien im Jahr 2021 noch bei fast 30.000 Euro, hat er sich mittlerweile mindestens halbiert. Weil die Kontrollen im Norden zu intensiv wurden, weichen die Kartelle laut dem Experten nach Spanien und Frankreich aus. Es kommen Unmengen an Kokain an, aber die Ermittler finden durch viele kleinere Einzellieferungen seltener die ganz großen Depots.

Schnellboote und Billigflaggen

Die neue Taktik der Schattenflotte sieht vor, dass große Schiffe nicht mehr direkt an die Küsten fahren. Die Ware wird auf offener See auf kleinere Schnellboote, sogenannte "Go-Fasts", umgeladen. Zudem nutzen die Schmuggler etablierte Haschisch-Routen zwischen Marokko und Spanien, über die ohnehin mehr als 90 Prozent des Cannabisharzes geschmuggelt werden. Neben der Arconian haben die Experten weitere Lieferschiffe wie die White Eagle oder die White Labeille im Visier. Diese zeigten im Jahr 2024 exakt dieselben Verhaltensmuster wie die Arconian: Wochenlanges Verharren in Sierra Leone, auffällige Wendemanöver nahe den Kanarischen Inseln und das anschließende Ansteuern nordafrikanischer Häfen. Die Schiffe fahren unter wechselnden Billigflaggen und verschleierten Eigentümerstrukturen. Gekauft wurden die Schiffe von neu gegründeten Scheinfirmen in Sierra Leone – die Verkäufer waren drei verschiedene deutsche Unternehmen, alle mit derselben Adresse in Flensburg.

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