Sterberisiko testen

Warum diese Tests über dein Leben entscheiden

© Getty Images
Zwei schlichte Übungen verraten in wenigen Minuten erstaunlich viel über die Gesundheit und die verbleibende Lebenszeit. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung mit mehr als 5000 Frauen.
OE24 auf Google bevorzugen

Beim Thema gesundes Altern und Langlebigkeit stehen die richtige Ernährung, Hormone oder die klassische Vorsorge oft im Mittelpunkt. Die körperliche Kraft wird auf dieser Liste hingegen selten angeführt – ein absoluter Fehler, wie eine neue wissenschaftliche Auswertung verdeutlicht. Die Untersuchung begleitete 5472 Frauen im Alter zwischen 63 und 99 Jahren über einen Zeitraum von rund acht Jahren. Dabei wurden keine sportlichen Höchstleistungen oder Rekorde gemessen, sondern die reine Alltagskraft im Fokus behalten. Konkret ging es um das feste Zugreifen und das eigenständige Aufstehen von einem Stuhl.

Zwei simple Alltagstests

Die Forschenden setzten auf zwei schlichte Verfahren, die ohne teures Labor auskommen. Der erste Check ist die Griffkraft. Klinische Studien nutzen dafür ein Hand-Dynamometer, um die Kraft der Hand- und Unterarmmuskeln exakt zu bestimmen. Daheim klappt das über einen Drucktest mit einem Tennis- oder Stressball. Kraft- und Konditionsforscher Joshua Davidson von der "BBC" nennt hierzu einen Richtwert: Man sollte 15 bis 30 Sekunden lang maximalen Druck auf den Ball ausüben können, bis der Griff ermüdet. Der zweite Check ist der Aufsteh-Test. Dabei steht man fünfmal so schnell wie möglich von einem Stuhl auf – ganz ohne die Hilfe der Hände. Die Zeit wird gestoppt. Beide Methoden zeigen, wie gut Muskeln, Nerven und das Gleichgewicht zusammenarbeiten.

Was Zahlen verraten

© Getty Images

Die Ergebnisse des Teams der Universität Buffalo fallen extrem deutlich aus. Frauen mit der stärksten Griffkraft von mehr als 24 Kilogramm wiesen ein um 33 Prozent geringeres Sterberisiko auf als jene in der schwächsten Gruppe mit weniger als 14 Kilogramm. Statistisch sank das Risiko pro sieben Kilogramm mehr Griffkraft um durchschnittlich zwölf Prozent. Ein sehr ähnliches Bild lieferte der Aufsteh-Test: Wer die fünf Wiederholungen in 11,1 Sekunden oder schneller bewältigte, hatte ein um 37 Prozent niedrigeres Sterberisiko als die langsamste Testgruppe, die mehr als 16,7 Sekunden benötigte.

Spiegel der Gesundheit

Die Muskelkraft im Alter ist weit mehr als nur reine Muskelgröße. Sie spiegelt den Zustand des gesamten Körpers wider. Ein fester Händedruck deutet meist auf ein intaktes Nervensystem, stabile Knochen und einen funktionierenden Stoffwechsel hin. Mediziner nutzen die Werte daher als Marker für die allgemeine Gesundheit. Lässt die Kraft nach, steigen die Gefahren für Stürze, den Verlust der Selbstständigkeit und einen früheren Tod. Der Aufsteh-Test ergänzt das Profil um Koordination und Schnelligkeit. Zusammen zeigen die Tests die körperliche Reserve an.

Keine Ausreden mehr

Ein zentraler Befund hebelt eine weitverbreitete Ausrede aus: Die schützende Wirkung der Muskelkraft blieb selbst dann bestehen, wenn die Frauen die offiziell empfohlenen Bewegungsmengen nicht erreichten. Kraft wirkt also völlig unabhängig davon, ob jemand ausreichend spazieren geht oder Ausdauersport treibt. Man profitiert demnach auch ohne hohe Schrittzahlen messbar von trainierten Muskeln. Kraft ist ein eigenständiger Hebel für die Gesundheit.

Das Thema Longevity

Bei der Langlebigkeit geht es primär um die Gesundheitsspanne – also um die Jahre, die man beweglich und selbstbestimmt verbringt. Ab dem 40. Lebensjahr verliert der Mensch ohne gezieltes Training kontinuierlich Muskelmasse. In der Medizin wird dieser schleichende Abbau als Sarkopenie bezeichnet. Er fällt oft erst auf, wenn das Aufstehen vom Boden oder das Treppensteigen schwerfallen. Frauen sind besonders betroffen, da sie mit weniger Muskelmasse starten und in den Wechseljahren zusätzlich Kraft einbüßen. Wer früh aktiv gegensteuert, verschiebt diesen Zustand um viele Jahre.

Kraft richtig aufbauen

Die Muskeln reagieren in jedem Alter auf gezielte Belastung. Ein Fitnessstudio oder teure Geräte sind dafür nicht zwingend notwendig. Wichtig ist es, die Muskeln regelmäßig zu fordern und die Intensität langsam zu steigern. Experten raten dazu, zweimal pro Woche Kraft zu trainieren und dem Körper dazwischen Pausen zur Erholung zu gönnen. Das Aufstehen vom Stuhl ohne Hände lässt sich als feste Wiederholungsserie in den Tag einbauen. Kniebeugen, Ausfallschritte oder Wandstütze nutzen das eigene Körpergewicht. Sobald die Übungen leichter fallen, kann die Last mit Wasserflaschen, Kurzhanteln oder Widerstandsbändern erhöht werden. Zudem ist eine ausreichende Eiweißzufuhr essenziell, da Muskeln den passenden Baustoff für den Aufbau benötigen.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden