Schulwegsicherheit
Polizei zieht Beamte vor Schulen in Favoriten ab
Kurz vor den Sommerferien sorgt ein Schreiben der Polizei für Fassungslosigkeit in Favoriten. Ab Herbst soll die bewährte Schulwegsicherung an mehreren Standorten komplett gestrichen werden. Konkret betroffen sind die Sicherungspunkte Neilreichgasse/Migerkastraße, Laimäckergasse/Quellenstraße, Absberggasse/Puchsbaumgasse, Quellenstraße/Jagdgasse, Quellenstraße 142 und Per-Albin-Hansson-Straße/Selma-Lagerlöf-Gasse. Während die Behörden die Maßnahme als eine "Optimierung" verteidigen, schlagen Eltern, Lehrer und die Bezirksvorstehung lautstark Alarm.
Das Stadtpolizeikommando Favoriten argumentiert in dem Schreiben an die örtliche Schulverwaltung, dass aufgrund der örtlichen Gegebenheiten auf eine zusätzliche Sicherung durch die Exekutive verzichtet werden könne. Da sich die betroffenen Abschnitte teilweise in beruhigten Zonen oder Tempo-30-Bereichen befinden, sei das Geschwindigkeitsniveau bereits niedrig. Vorhandene Bodenschwellen und Gehsteigvorziehungen würden die Sicherheit für Fußgänger laut Polizei ohnehin wesentlich erhöhen. Die freiwerdenden Beamten möchte die Exekutive lieber flexibel für die allgemeine Verkehrsüberwachung an anderen Unfallhäufungspunkten einsetzen.
Eltern und Schulen sehen Gefahr für Kinder
Die Betroffenen vor Ort zeichnen jedoch ein völlig anderes Bild der Lage. In einem dringenden Brief einer Schuldirektion an das Verkehrsamt der Landespolizei wird die Situation auf der Per-Albin-Hansson-Straße als überaus gefährlich beschrieben. Es sei wiederholt zu beobachten, dass Autofahrer vor dem Zebrastreifen weder anhalten noch ihr Tempo ausreichend reduzieren. Ohne die gewohnte äußere Absicherung durch Lotsen beziehungsweise die Polizei befürchten die Pädagogen ein Chaos durch wartende Autos und Elterntaxis direkt vor dem Schulhaus. Besonders schwer wiegt für die Schulleitung die Tatsache, dass Schüler mit neurodivergenten Entwicklungsprofilen potenzielle Gefahrenquellen im Straßenverkehr nicht immer durchgehend wahrnehmen können.
Auch die Briefe etlicher Mütter und Väter an die Bezirksvorstehung verdeutlichen die akute Alarmstimmung unter den Familien. Eine Mutter berichtet verzweifelt, dass es ohne die Unterstützung der Lotsen bereits mehrmals zu brenzligen Situationen kam, bei denen Eltern und Kinder auf dem Zebrastreifen beinahe von Fahrzeugen erfasst wurden. Neben den Verkehrsgefahren sorgen sich die Eltern auch um die allgemeine Sicherheit, da es im Umfeld immer wieder zu Vorfällen kam, bei denen Kinder von fremden Personen angesprochen oder eingeschüchtert wurden. Eine erwachsene Aufsichtsperson vor der Schule sei daher unverzichtbar. "Wie kann man bei der Sicherheit für Kinder sparen? Ich bitte Sie hier dringend eine Lösung zu finden", schreibt eine Mutter.
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Zorn über "kurzsichtige Sparmaßnahmen"
"Ich bekomme Anrufe und Briefe von emotionalen Eltern. Sie sorgen sich um die Schulweg-Sicherheit ihrer Kinder. Auch Direktionen verschaffen sich mit schlaghaltigen Argumenten wegen der kurzsichtigen Sparmaßnahmen der Polizei Luft. Die Polizei sollte ihre Entscheidung noch einmal überdenken. Die Sicherheit unserer Kinder sollte oberste Priorität haben", sagt Bezirksvorsteher Marcus Franz (SPÖ).
Hinter dem plötzlichen Abzug der Schulwegsicherung steht nach Ansicht des Bezirksvorstehers der anhaltende und massive Personalmangel der Wiener Exekutive. Während im österreichischen Durchschnitt rund 333 Polizisten auf 100.000 Einwohner kommen, stehen im riesigen Wachstumsbezirk Favoriten für über 223.000 Menschen auf dem Papier gerade einmal 319 Beamte zur Verfügung. Davon sind im Alltag real sogar nur rund 300 Polizisten tatsächlich im Bezirk im Einsatz. Das zuständige Innenministerium bleibe bei der personellen Aufstockung seit Jahren säumig, obwohl die Stadt Wien unter Bürgermeister Michael Ludwig bereits das gesamte Passwesen sowie die Parkraumbewirtschaftung übernommen hat, um die Polizei für ihre Kernaufgaben freizuspielen.
Für den Favoritner Bezirkschef ist das Vorgehen der Behörden kurz vor dem neuen Schuljahr absolut unverständlich. "Dass hier die Polizei von Optimierung redet, wo sie doch die Schulkinder allein auf sich zurückgestellt lässt, ist verwunderlich. Denn auch den Eltern ist der Zusammenhang zwischen Polizeimangel und den fehlenden Polizisten am Schulweg bewusst. Das haben mir ausdrücklich einige gesagt. Im Namen der besorgten Eltern und Lehrer sollte diese Entscheidung noch einmal überdacht werden. Polizeimangel darf nicht die Sicherheit unserer Kinder belasten", fordert Franz
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