Wie geht es Tieren bei aktuellen hohen Temperaturen?
Fiaker
Ab einer Lufttemperatur von 35 °C (gemessen an einer zentralen Wetterstation) ist der Fiakerbetrieb in Wien grundsätzlich einzustellen.
Aus tierschutzfachlicher Sicht wird diese Regelung jedoch kritisch bewertet. Die Temperaturmessung an einer zentralen Station berücksichtigt keine lokalen Extrembedingungen im Stadtzentrum. Auf heißem Asphalt, zwischen dicht bebauten Straßen und im stehenden Verkehr können die gefühlten Temperaturen für die Tiere deutlich höher liegen als die offiziell gemessenen Werte. Dadurch kann es vorkommen, dass Pferde trotz bereits hoher Hitzebelastung weiterhin eingesetzt werden.
Kritisch gesehen wird auch, dass die Regelung stark auf einen einzigen Grenzwert fokussiert ist, während Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, direkte Sonneneinstrahlung, Arbeitsdauer und Erholungsphasen kaum berücksichtigt werden.
In anderen Bundesländer gibt es meist keine klare Hitzeregelung, wie sie in Wien bestehen.
Pferde können grundsätzlich durchaus mit Wärme umgehen. Ihre Vorfahren lebten in offenen Gras- und Steppenlandschaften. Die Situation in einer Großstadt unterscheidet sich jedoch deutlich von den Bedingungen, an die Pferde evolutionär angepasst sind.
In der Steppe können Pferde selbst entscheiden, wann sie sich bewegen, Schatten aufsuchen, trinken oder ruhen. In der Stadt sind sie dagegen oft auf befestigten Flächen unterwegs, ziehen Lasten und können ihre Aktivität nicht eigenständig regulieren. Asphalt und Pflaster speichern Wärme und können sich im Sommer stark aufheizen. Zwischen Gebäuden entsteht zudem ein sogenannter "Hitzeinsel-Effekt", bei dem die Temperaturen deutlich höher sein können.
Auch Lärm, Verkehr, lange Einsatzzeiten, eingeschränkte Bewegungsfreiheit und das Tragen von Geschirr können den Kreislauf zusätzlich belasten.
Deshalb argumentieren Tierschutzorganisationen, dass die Frage nicht ist, ob Pferde grundsätzlich Hitze vertragen, sondern unter welchen Bedingungen sie ihr ausgesetzt sind. Ein Pferd auf einer Weide mit Zugang zu Wasser, Schatten und freier Bewegungsmöglichkeit erlebt Hitze anders als ein Arbeitspferd, das sich bei sommerlichen Temperaturen durch dicht bebaute Innenstädte bewegt. Tierschutzorganisationen fordern daher, die Hitzefrei-Regelung für Fiaker bereits ab 30 Grad Celsius greifen zu lassen.
Sommer: Tiere während heisser Temperaturen
© oe24
Welche Regelungen gelten bei Hitze für Tiertransporte?
Für Tiertransporte gibt es in der EU keine generelle "Hitzefrei-Regelung" wie bei den Wiener Fiakern, also keinen festen Außentemperaturwert, ab dem alle Transporte automatisch verboten wären. Stattdessen gilt laut EU-Verordnung, dass Fahrzeuge über Belüftungssysteme verfügen müssen, die die Temperatur im Tierbereich grundsätzlich zwischen 5 und 30 Grad Celsius halten. Wobei eine Toleranz von bis zu 5 Grad besteht. De Facto wäre ein Lebendtiertransport bei 0 Grad genauso gesetzeskonform, wie bei 35 Grad.
Wie empfinden die transportierten Tiere 35 Grad in einem Transporter?
Die Vorstellung, dass 35 °C für alle Tiere ähnlich belastend wären wie für Menschen, stimmt nicht. Jedes Tier hat eine sogenannte thermoneutrale Zone, also eine Art Wohlfühltemperatur. Bei Milchkühen liegt diese zwischen 5 und 20 Grad. Gesetzlich grundsätzlich erlaubte 35 Grad während dem Transport fühlt sich für Milchkühe wie etwa 45 Grad für uns Menschen an. Zu bedenken ist, dass dies nur eine vereinfachte Vergleichsgröße ist – physiologisch ist die Belastung bei Tieren oft noch komplexer, weil sie Hitze schlechter über Verhalten wie zum Beispiel dem Ablegen von Kleidung ausgleichen können im Vergleich zu Menschen. Doch derart hohe Temperaturen sind ohne Zweifel belastend für Tiere. Vor allem, wenn vorgesehene Tränken in den Transportern entweder nicht mit Wasser gefüllt sind oder für die Tiere anatomisch unbrauchbar sind. Ungünstige Höhe oder Position der Tränken oder ungewohnte Technik sind laut einer Studie der EFSA äußerst problematisch. Den Tieren steht dann zwar Wasser zur Verfügung, können es aber nicht erreich und müssen stundenlang ohne Wasser bei extremer Hitze leiden. Die EFSA kommt im Rahmen ihres Gutachtens daher zum klaren Ergebnis, dass dringend gesetzliche Regelungen getroffen werden müssen, die vorgeben, wie Tränken konkret ausgestaltet sein müssen, damit Wasser auch tatsächlich von Tieren aufgenommen werden kann.
Was kannst du tun, um Tieren bei Hitze zu helfen?
Egal, welche Art von Tier du betreust, sind Schatten und Wasser essenziell. Schweine können einen Sonnenbrand bekommen und auch andere Tiere brauchen unbedingt Zugang zu kühlen schattigen Plätzen. Bei Hunden ist der aufgeheizte Asphalt zu beachten.
Bei 30 °C Lufttemperatur beträgt die Asphalttemperatur rund 50–60. Bei derzeitigen Temperaturen von rund 35 Grad kann er sich sogar auf bis zu 80 °C aufheizen, wenn die Sonne stark scheint und wenig Wind geht. Wichtig ist daher, die Spaziergänge mit dem Hund in die frühen Morgenstunden und in schattige Plätze zu verlegen.
Wichtig ist außerdem die Augen offen zu halten und unter Hitze leidenden Tieren zu helfen. Eingeschlossene Lebewesen in Autos sollten unbedingt bei der Polizei gemeldet werden, da dies sehr schnell lebensgefährlich wird.
Wenn Anzeichen von Hitzestress bei Tieren auf der Weide bemerkt wird, sollte umgehend der oder die für die Landwirtschaft Zuständige informiert werden. Hitzestress kann sich bei Tieren abgesehen vom Hund durch Hecheln äußern.
Auch Wildtiere brauchen Wasser. Wer Vögeln und Insekten ungefährliche Wasserstellen bietet, unterstützt viele durstige Tiere und erleichtert die heißen Tage.
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