Auswilderung: Klettern üben mit Faultier Gretl
Im Mittelpunkt steht das Faultier "Gretel", ein etwa drei Jahre altes Weibchen, das von lokalen Wildtierbehörden verletzt in einem Haus gefunden wurde. Nach Angaben aus dem Einsatzumfeld waren ihre Krallen vermutlich durch Machetenhiebe schwer beschädigt worden. Warum? Verdacht besteht, dass ihre Krallen von Menschen abgeschnitten wurden, da sie in manchen Regionen als Heilmittel für Epilepsie gelten, wofür es jedoch keinerlei wissenschaftliche Nachweise gibt.
Aufgrund der beschädigten Krallen konnte Gretel nicht mehr klettern und somit in der Wildnis kaum überleben. Daher wurde sie zur Versorgung und Rehabilitation in das Taricaya Eco Reserve gebracht. Dort wurde Gretel rund zehn Tage lang medizinisch versorgt, stabilisiert und aufgepäppelt. Sie bekam sogar eine Krallenprotäse. Tierschützer:innen Malte Zierden, seine Partnerin Phia Quantius und sein bester Freund Border Böll haben anschließend mit Gretl Kletterübungen gemacht. Sie musste erst lernen, mit der Protese umzugehen und wie Vertrauen zu sammeln.
Rettung: Faultier Gertl lernt Klettern
© oe24
Für Gretl ging es zurück in den Regenwald, in den Secret Forest Tambopata, der Teil eines Schutzgebietssystems der Organisation Wilderness International ist. Die Region Madre de Dios gilt als eines der artenreichsten Gebiete der Erde. Der dortige Regenwald bindet große Mengen Kohlendioxid und spielt damit eine wichtige Rolle für die globale Klimastabilität.
Die Stiftung Wilderness International kauft in der Region Madre de Dios Regenwaldflächen rechtssicher mit Grundbucheintrag und stellt diese dauerhaft unter Schutz. Finanziert wird dieser Flächenschutz über Spenden, wobei ein Euro jeweils einem Quadratmeter dauerhaft geschütztem Regenwald entspricht. Nach Angaben der Organisation wurden bislang rund 2 Millionen Quadratmeter Regenwald dauerhaft unter Schutz gestellt. Das entspricht 200 Hektar Lebensraum für bedrohte Tiere.
Die Initiative geht auf eine Spendenkampagne im Oktober des vergangenen Jahres zurück, bei der innerhalb von weniger als fünf Tagen eine Million Quadratmeter Regenwald unter Schutz gestellt wurden. Seitdem ist die Bewegung deutlich gewachsen.
Die Schutzgebiete werden von einem großen Team lokaler Waldhüterinnen und Waldhüter täglich kontrolliert und gesichert.
Im Rahmen dieser Arbeit wird der Schutz des Gebiets nicht nur durch regelmäßige Begehungen gewährleistet, sondern auch durch Drohnenüberwachung und den Einsatz technischer Sensorik. Die Waldhüterinnen und Waldhüter stehen zudem in engem Kontakt mit der lokalen Bevölkerung, leiten Umweltbildungsprojekte sowie Agroforstprojekte und begleiten internationale Expeditionsteams bei der Kontrolle, Dokumentation und wissenschaftlichen Forschung in den Schutzgebieten. Sie sind lokale Fachkräfte mit umfassender Erfahrung und tiefem Wissen über den Regenwald. Neben der Sicherung der Schutzgebiete übernehmen sie auch die Leitung von Bildungsprojekten mit Menschen aus der nahegelegenen Stadt Puerto Maldonado und Umgebung und geben ihr Wissen an die lokale Gemeinschaft weiter. Gleichzeitig schaffen sie durch ihre Arbeit eine wirtschaftliche Perspektive, die eine Alternative zu Abholzung, Jagd oder Goldschürfen darstellt.
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