Österreich
So schadet die Hitze der Wirtschaft
Hitzewellen werden häufiger, länger und intensiver. Das ist derzeit nicht nur europaweit zu spüren, sondern auch wissenschaftlicher Konsens. Nicht nur Mensch und Natur werden dadurch belastet, sondern auch die Arbeitswelt und die gesamte Volkswirtschaft. Wenn sich die Hitzephasen ausweiten und verstärken hat das gerade für die heimische Wirtschaft mehr Nachteile als Vorteile, geht aus einem APA-Gespräch mit Wifo-Volkswirt Marcus Scheiblecker hervor.
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Es gebe Wirtschaftsbereiche, die sich auf eine neue Lage wie mehr und längere Hitze einstellen könnten. Hier gebe es Umstellungskosten, danach sei eine Normalisierung realistisch. In anderen Sektoren wiederum brauche es eine permanente Änderung, das gelte etwa für den für Österreichs Volkswirtschaft besonders bedeutenden Tourismus.
Agrar-"Problem"
"Ein großes Problem" würde sich etwa für die Landwirtschaft ergeben, geht man davon aus dass immer stärkere Hitzewellen von Juni bis September und nicht wie früher nur zur Sommermitte Ende Juli/Anfang August auftreten, so Scheiblecker. Viele Feldfrüchte vertragen große Hitze über längere Zeit nicht - vor allem nicht ohne Bewässerung, die öfter notwendig werden dürfte. Ein Ausweichen auf andere Produkte ist nur zum Teil möglich. Mehr Bewässerung mache Produkte tendenziell teurer.
Sommer-Bauloch wie bisher im Winter und höhere Wohnkosten?
Auch für den Bau entstehen neue "Hindernisse", aber womöglich nicht nachhaltig. Andere Zeiten zum Bauen und auch mehr Hitzevorschriften könnten nötig werden, so der Fachmann. Eine Verlagerung in kühlere Zeiten sei wahrscheinlich, dadurch könnten die Kosten allerdings steigen - "weil es länger dauert mit mehr Pausen und weil in kürzeren Phasen im Frühjahr und im Herbst mehr gebaut werden müsste; Verschiebungen sind mit Kosten verbunden, später könnte sich die Lage wieder normalisieren". Und: "Es könnte im Sommer ein Bauloch entstehen wie bisher im Winter."
Insgesamt zeichne sich eine höhere Energienachfrage ab, so der Wifo-Ökonom. Das liegt an immer mehr installierten Klimaanlagen. Österreich müsste wohl mehr Strom importieren - oder könnte über Solar mehr produzieren. Bei der Windenergie hänge viel von den Investitionen ab, ob sie die Solarlücken füllen könnte. "Klimaanlagen werden zur Gänze importiert, da profitiert die heimische Wirtschaft höchstens beim Einbau. Andererseits können Bau- bzw. Wohnkosten dadurch steigen", sagt Scheiblecker.
Tourismus an Seen stabil
Für den Tourismus sagt Scheiblecker, dass Städtereisen in der heißen Zeit wohl weniger attraktiv würden. An den Seen oder in den Bergen würde sich seiner Einschätzung nach nicht allzu viel ändern. Eine zu starke Erwärmung im Winter würde den für Österreich besonders einträglichen Wintertourismus stören.
Mehr Krankenstände wegen Hitze
Im Gesundheitswesen drohten höhere Kosten, da mit mehr Hospitalisierungen wegen Hitze zu rechnen sei. "Das ist keine gute Nachricht."
Allgemein und im produzierenden Sektor hingen die Arbeitsbedingungen auch an der jeweiligen Temperatur. Je nachdem, wo man arbeite, sei eine Kühlung mehr oder weniger verbreitet. Wo es keine Klimaanlage gebe, werde die Produktion womöglich beeinträchtigt.
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