Abzocke beim Fliegen
Nutzen Fluggesellschaften Nahost-Konflikt aus?
Die Fluggesellschaften haben den Anstieg der Flugzeugtreibstoffkosten im Frühjahr 2026 sofort auf die Ticketpreise abgewälzt. Dies geschah, obwohl die Airlines den Großteil des verbrauchten Kerosins bereits vor Ausbruch des Nahost-Konflikts zu stark gedeckelten Preisen eingekauft hatten. Besonders auf Inlandsflügen wurde ein massiver Preissprung im Vergleich zum Vorjahr registriert. Das geht aus einer Analyse des Corriere della Sera hervor.
Verdacht auf überzogene Tarife
Diese Zahlen stützen den Verdacht, dass die Anbieter die geopolitischen Spannungen für überzogene Tariferhöhungen genutzt haben. Der Zuwachs bei den Ticketpreisen ist laut Brancheninsidern mehr als doppelt so hoch wie das, was durch den Preissprung beim Flugkraftstoff "gerechtfertigt" wäre. Experten betonen, dass Kerosin nur einen Teil der operativen Kosten ausmacht. Da zudem ein Großteil des Treibstoffs im Vorfeld billig abgesichert wurde, hätte der Preisanstieg bei den Tickets deutlich geringer ausfallen müssen. Laut einem Experten für Revenue Management gab es keinen Grund, die Preise über diesen Prozentsatz hinaus zu erhöhen.
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Keine Verknappung des Angebots
Der überproportionale Anstieg lässt sich nach Ansicht von Brancheninsidern auch nicht mit einem reduzierten Angebot erklären. Die Zahl der angebotenen Sitzplätze ist im untersuchten Zeitraum sogar leicht gestiegen. Dennoch war der Druck gerade auf den Inlandsstrecken am stärksten zu spüren. Diese Entwicklung ist in einen klar umrissenen Kontext einzuordnen: Die Krise beim Flugtreibstoff — ausgelöst durch den Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus — hat den Preis für Flugbenzin kurzzeitig hochschnellen lassen, was die Branche unter Druck setzte. Später sank der Wert infolge der Entspannung zwischen den USA und dem Iran wieder.
Absicherung bringt klaren Vorteil
In diesem Umfeld hatten die europäischen Fluggesellschaften jedoch einen Vorteil gegenüber ihren US-Rivalen. Seit Jahren verfolgen die Unternehmen auf dem Kontinent die Strategie des "Fuel Hedging" — finanzielle Absicherungen, die den Treibstoffpreis im Voraus festschreiben. Ita Airways, Ryanair und easyJet hatten beispielsweise bereits 80 Prozent ihres diesjährigen Bedarfs eingekauft, Wizz Air zwischen 80 Prozent und 70 Prozent. Eine Ausnahme bildet Volotea, da das Unternehmen keine Absicherungen nutzt. Dennoch zeigen die im Zeitraum März, April und Mai 2026 veröffentlichten Tarife auf Inlandsflügen eine widersprüchliche Entwicklung. Während Volotea im Quartal den stärksten Anstieg verzeichnete (+16,7 Prozent), fallen auch die Erhöhung um 18 Prozent bei Ryanair und jene um 10 Prozent bei Vueling ins Auge. Ita Airways hat seine Preislisten um 8 Prozent nach oben korrigiert, easyJet um 8,5 Prozent. Der April 2026 war der Monat mit den deutlichsten Spitzen: Ryanair bot Inlandsflüge zu um 45 Prozent höheren Preisen an (im Mai 2026 auf +7 Prozent zurückgehend), easyJet zu 16 Prozent höheren und Volotea zu fast 36 Prozent höheren Tarifen.
Wizz Air geht Sonderweg
In diesem Umfeld hatten die europäischen Fluggesellschaften jedoch einen Vorteil gegenüber ihren US-Rivalen. Seit Jahren verfolgen die Unternehmen auf dem Kontinent die Strategie des "Fuel Hedging" — finanzielle Absicherungen, die den Treibstoffpreis im Voraus festschreiben. Große Airlines wie Ita Airways, Ryanair, easyJet und Wizz Air hatten beispielsweise bereits den Großteil ihres Bedarfs im Vorfeld eingekauft. Eine Ausnahme bildet Volotea, da das Unternehmen keine Absicherungen nutzt und voll der Marktvolatilität ausgesetzt war. Dennoch zeigten fast alle Fluglinien deutliche Preiserhöhungen. Einzig Wizz Air senkte die Preise spürbar, was Experten auf massive Investitionen und Preissenkungen zurückführen, um die Maschinen auf dem italienischen Markt zu füllen.
Unsichere Aussichten für Sommer
Was ist nun zu erwarten? Bei weiterhin instabilem Kerosinpreis und finanziellen Absicherungen, die im Laufe des Jahres schrittweise auslaufen, zeichnet sich der Sommer 2026 als entscheidende Bewährungsprobe ab. Die Nachfrage bleibt nach Angaben der Airlines zwar robust, doch die Buchungsfenster haben sich verkürzt. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass Passagiere bis zum letzten Moment abwarten, um sich für die günstigste Fluggesellschaft und den besten Preis zu entscheiden.
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