Asteroiden-Tag
Forscher warnen vor Tausenden unentdeckten "City Killern"
Dienstag rückt eine der unbequemsten Fragen der modernen Wissenschaft in den Fokus, die auch die Menschen in Österreich zum Nachdenken anregt: Wie gut ist die Menschheit vorbereitet, wenn ein Asteroid Kurs auf die Erde nimmt? Der Anlass für diese Debatte ist der Internationale Asteroiden-Tag am 30. Juni, der an das verheerende Tunguska-Ereignis im Jahr 1908 erinnert. Damals wurden in Sibirien rund 2000 Quadratkilometer Wald in Sekunden dem Erdboden gleichgemacht. Dass niemand starb, war purem Zufall zu verdanken. Dass Himmelskörper eine reale Bedrohung sind, zeigte nicht nur das Aussterben der Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren, sondern auch die Explosion eines kleineren Brockens über Tscheljabinsk im Jahr 2013, die 1500 Verletzte forderte.
Tausende Brocken im Visier
Laut aktuellen Daten des Center for Near Earth Object Studies der NASA vom Sonntag, 28. Juni 2026, sind derzeit exakt 41.955 erdnahe Asteroiden bekannt. Davon haben 872 einen Durchmesser von mehr als einem Kilometer, während 11.661 Objekte größer als 140 Meter sind. Jeden Monat entdeckt die europäische Raumfahrtorganisation ESA rund 160 neue erdnahe Himmelskörper. Als besonders gefährlich gelten die sogenannten "City Killer" ab einer Größe von etwa 50 Metern, da sie regional verheerende Schäden anrichten können und bei diesen Objekten die größte Dunkelziffer vermutet wird.
Auch interessant
Überwachung rund um die Uhr
Um die Erde zu schützen, scannen automatisierte Teleskopsysteme jede Nacht systematisch den Nachthimmel. Sobald ein neues Objekt gesichtet wird, berechnen Fachleute dessen Flugbahn. Wie sensibel dieses System reagiert, zeigte jüngst der Fall des Asteroiden 2024 YR4. Monatelang kalkulierten Experten das Risiko eines Einschlags auf der Erde und später auf dem Mond, bevor Entwarnung gegeben werden konnte. Im Ernstfall koordinieren internationale Gremien wie das "Planetary Defense Coordination Office" der NASA und Partner auf UN-Ebene die Abläufe, um eine Abwehrmission in die Wege zu leiten.
Erfolgreiche Rammmanöver im All
Dass die Menschheit der Gefahr nicht völlig schutzlos ausgeliefert ist, zeigen erste erfolgreiche Tests zur planetaren Verteidigung. Im Herbst 2022 testete die NASA mit der "DART"-Mission den Ernstfall. Ein Raumschiff rammte absichtlich den Asteroiden "Dimorphos", welcher den größeren Brocken "Didymos" umkreist. Im Anschluss an das spektakuläre Manöver stellte sich heraus, dass der gezielte Aufprall die Umlaufbahn des kleinen Himmelskörpers tatsächlich bedeutend verändern konnte. Die Erforschung und Kartierung potenziell gefährlicher Objekte läuft seither unter Hochdruck weiter.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden