Wirtschaftskommentar
KI-Knall: Nicht die Finger verbrennen beim Anthropic-Börsengang
KI-Riese Anthropic (Claude, Claude Code) will ein Computerhirn bauen, das schlauer als die Menschheit ist. Das Unternehmen kennt die Gefahr, die damit verbunden ist: Wir könnten abgehängt werden und eine neue intelligentere Spezies die Herrschaft übernehmen. "Zu 10% sterben alle", sagt Gründer Dario Amodei sinngemäß und warnt vor KI, die sich von selbst weiterentwickelt: "Wir könnten die Kontrolle verlieren."
In diesem Spiel der Evolution verbrennt Anthropic Unsummen für Rechenleistung.
Im dritten Quartal 2026 machten die Compute-Kosten mit zehn Milliarden Dollar bereits 58 Prozent des Umsatzes aus. Tendenz steigend. Für jeden Dollar, den das Unternehmen für Rechenleistung ausgibt, erzielt es aktuell 1,72 Dollar Umsatz. Die Nachfrage wuchs so rasant, dass Anthropic kurzfristig teure Kapazitäten am Spot-Markt einkaufen musste: Allein 5 Milliarden Dollar im Quartal, zu überteuerten Preisen bei Neocloud-Anbietern.
Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Unternehmen hat langfristige Verpflichtungen in Höhe von 900 Milliarden Dollar angehäuft: Fast ausschließlich für Rechenzentren und Cloud-Kapazitäten. Diese "Take-or-Pay"-Verträge muss Anthropic auch dann bezahlen, wenn die Nachfrage einbricht. Der gesamte operative Cashflow wird auf Jahre hinaus in diese Verpflichtungen fließen. Für die Aktionäre bleibt so kaum etwas über.
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Dazu kommen alarmierende Sicherheitslücken: Ein Claude-Modell übermittelte der Polizei von Philadelphia einen falschen Mordhinweis. Die US-Handelsaufsichtsbehörde FTC hat daraufhin förmliche Ermittlungen eingeleitet. Auch Aktionäre haften für die Schäden, die die KI des Unternehmens anrichtet, die laut Firma zu rund 7% von Leuten verwendet wird, die sich nicht an die Regeln halten. Die Huthi-Rebellen bastelten mit Claude etwa Steuerungs-Software für Schiffsraketen.
Ironischerweise warnt Anthropic-Chef Dario Amodei selbst davor, dass KI in sechs bis zwölf Monaten das gesamte Internet übernehmen und Hunderte Milliarden Dollar Schaden anrichten könnte und fordert ein langsameres Tempo. Die Diskrepanz zwischen diesen Warnungen und dem eigenen Handeln könnte kaum größer sein.
Und schließlich die Hackordnung: Wer die öffentlich handelbaren Class-A-Aktien zeichnet, erwirbt zwar wirtschaftliche Anteile, hat aber praktisch nichts zu sagen.
Die Stimmrechte der Class-A-Aktionäre sind auf maximal 49,9 Prozent begrenzt. Die eigentliche Kontrolle liegt bei einer einzigen Class-F-Aktie, die von den sieben Gründern gehalten wird und 50,1 Prozent der Stimmen auf sich vereint.
"ANT"-Anleger sollten sich also bewusst sein: Sie beteiligen sich an einem Unternehmen, dessen Kurs von den Gründern bestimmt wird und wo zuerst - laut Eigenbeschreibung - die Menschheit kommt, dann die Angestellten und die Gründer, dann die früheren Investoren und Tech-Riesen und zu allerletzt die Aktionäre.
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