Hitzewelle
Darum werden die Öffis nicht stärker gekühlt
Sobald die Sommer-Hitze die Stadt fest im Griff hat, wird der tägliche Weg mit den Öffis zu einer ziemlich schweißtreibenden Angelegenheit. Bei einem Hintergrundgespräch gaben die Wiener Linien am Mittwoch Einblicke in ihre Kühl-Strategie. Die gute Nachricht für alle Fahrgäste lautet, dass mittlerweile knapp 80 Prozent der gesamten Flotte klimatisiert unterwegs sind. Die Busse und alle Garnituren der Linie U6 laufen bereits zu 100 Prozent mit Kühlung. In einer Garnitur der Linie U6 sorgen insgesamt vier Klimaanlagen für Abkühlung, wobei drei voneinander getrennte Geräte den Fahrgastraum kühlen und ein weiteres für den Bereich des Fahrers da ist. Diese Aggregate können im Betrieb natürlich auch einmal ausfallen.
Blauer Eiswürfel warnt vor fahrender Sauna
Ab Anfang Juli gibt es eine neue Funktion für hitzeempfindliche Fahrgäste in Wien. In der WienMobil-App wird bei den U-Bahn-Abfahrtszeiten ein kleiner blauer Eiswürfel eingeblendet. Dieses Symbol zeigt genau an, ob eine klimatisierte Garnitur einfährt. Wer die Hitze meiden will, wartet einfach auf den nächsten kühlen Zug. Auch auf den Bahnsteigen gibt es einen praktischen Hinweis. Der Unterstrich auf den Anzeigen, der eigentlich barrierefreie Züge markiert, signalisiert auch einen klimatisierten Innenraum.
Bei den Schienenfahrzeugen gibt es allerdings noch deutlichen Aufholbedarf. Von den insgesamt 162 Wiener U-Bahn-Zügen sind aktuell 114 klimatisiert. Bei den Straßenbahnen sieht es ähnlich aus, denn von den 507 Bims haben 306 eine Klimaanlage an Bord. Das entspricht einem Anteil von 64 Prozent auf der Schiene. Vor 10 Jahren lag dieser Wert noch bei mageren 40 Prozent. Vollständig aus dem Verkehr ziehen kann man die alten Modelle ohne Kühlung im Sommer übrigens nicht. Ohne diese Fahrzeuge ließe sich der dichte Fahrplan schlichtweg nicht einhalten und die Fahrgäste müssten mit langen Wartezeiten an den Stationen rechnen.
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Fahrpersonal kann Temperatur nicht regeln
Eine Frage beschäftigt die Wiener Fahrgäste regelmäßig. Warum dreht das Personal die Kühlung an extremen Hitzetagen nicht einfach manuell stärker auf? Die Antwort der Wiener Linien ist eindeutig, denn das Fahrpersonal kann die Temperatur im Fahrgastraum überhaupt nicht selbst regeln. Das System läuft vollautomatisch über sogenannte HKL-Anlagen. Diese sind das ganze Jahr über aktiv und werden über Sensoren an der Innen- und Außenseite gesteuert.
Diese Technik sorgt dafür, dass die Luft im Inneren entfeuchtet und um etwa 5 Grad im Vergleich zur Außentemperatur abgesenkt wird. Die Anlage schaltet ab einer Außentemperatur von 25 Grad auf Kühlung um. Liegt die Temperatur zwischen 18 und 25 Grad, wird nur gelüftet, und unter 18 Grad wird geheizt. Eine punktgenaue Wunschtemperatur wie im privaten Auto ist in einer U-Bahn oder Bim unmöglich, wird seitens der Wiener Linien betont. Die Türen öffnen sich alle paar Minuten, warme Luft strömt herein und auch die Fahrgäste strahlen enorme Hitze aus.
Warum nicht eiskalt durchgekühlt wird
Viele Menschen würden sich an echten Hundstagen eine noch stärkere Abkühlung in den Waggons wünschen. Die Wiener Linien erteilten diesem Wunsch beim Medientermin aber eine klare Absage. Ein zu großer Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen wäre eine enorme Belastung für den Kreislauf der Fahrgäste. Dazu kommt ein handfester wirtschaftlicher Grund, weil die Energiekosten bei einer noch stärkeren Kühlung massiv nach oben schießen würden. Bei der momentanen angespannten Budgetlage der Stadt kann man sich solche teuren Extra-Wünsche wohl auch beim besten Willen nicht leisten. Da die Wahrnehmung von Kälte und Wärme ein sehr subjektives Empfinden bleibt, wird eine Temperatur ohnehin nie für alle Fahrgäste perfekt passen.
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