Türkei
Hunderttausende demonstrieren gegen Erdogan
Die Menschen kamen auf der asiatischen Seite der Bosporus-Metropole zusammen, um nach der Inhaftierung des Bürgermeisters Ekrem Imamoglu für den Erhalt der Demokratie in der Türkei zu demonstrieren. Der Chef der größten Oppositionspartei CHP, Özgur Özel, sprach von mehr als zwei Millionen Teilnehmern.
Unter dem Jubel der Demonstranten wurde ein Brief von İmamoğlu vorgelesen. "Ich habe keine Angst, ihr steht hinter mir und an meiner Seite", hieß es darin. "Ich habe keine Angst, weil die Nation vereint ist. Die Nation ist vereint gegen den Unterdrücker."
"Widerstand ist überall"
"Taksim ist überall, Widerstand ist überall", riefen die Regierungsgegner in Anspielung an die regierungskritischen Massenproteste auf dem gleichnamigen Platz in Istanbul im Jahr 2013. Sie sei heute auf der Straße, um für ihre Heimat zu kämpfen, sagte die 17-jährige Demonstrantin Melis Basak Ergun. "Wir, das Volk, wählen unsere Herrscher", fügte sie hinzu. Die Protestierenden würden sich niemals von "Gewalt oder Tränengas" abhalten lassen. "Wir stehen hinter unserem Bürgermeister, Imamoglu", sagte Ergun. Auch Imamoglus Ehefrau Dilek, die Kinder des Paares und die Eltern des Politikers waren unter den Demonstranten in Istanbul.
Die Führung der CHP will die Proteste so lange fortsetzen, bis eine vorgezogene Präsidentschaftswahl angesetzt wird oder İmamoğlu freikommt. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat die Proteste als "Show" abgetan, vor rechtlichen Konsequenzen gewarnt und die CHP aufgefordert, die Türken nicht weiter zu provozieren.
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CHP-Chef Özel warnt vor Abschaffung der Demokratie
Am Freitag gab es bereits den zehnten Abend in Folge Demonstrationen in etlichen Städten. CHP-Chef Özel warnte vor der Abschaffung der Demokratie in der Türkei. Er sei bereit, "acht, zehn Jahre im Gefängnis zu verbringen", sagte er im Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde". Denn sollten die Proteste jetzt nicht fortgesetzt werden, werde Erdogan dafür sorgen, dass es bald keine ernstzunehmenden Wahlen mehr in der Türkei gebe, warnte Özel. Er kündigte regelmäßige Proteste an - "jeden Samstag in einer türkischen Stadt" und jeden Mittwoch in Istanbul.
İmamoğlu selbst schrieb in einem Gastbeitrag für die "New York Times", unter Erdogan habe sich die Türkei in eine "Republik der Angst" verwandelt. Doch trotz - oder gerade wegen - der Repressionen gegen Regierungskritiker leisteten die Menschen auf den Straßen beharrlich Widerstand. "Ich bin auf der Seite unserer jungen Leute und bewundere ihren Mut. Sie sind im Begriff, Geschichte zu schreiben", schrieb İmamoğlu.
Der 53-Jährige wird zurzeit im bekannten Marmara-Gefängnis in Silivri nahe Istanbul festgehalten. Der beliebte Oppositionspolitiker war am 19. März unter Verweis auf Korruptionsvorwürfe inhaftiert und später als Bürgermeister abgesetzt worden. Parallel laufen Ermittlungen wegen angeblicher Terrorunterstützung gegen ihn.
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