Prozess in Wien
Streit um Balkan-Krieg: Kroate erstach Landsmann
Wien. Ein Streit um politische Themen hat am 29. November 2025 einen 49-jährigen Kroaten in einer Wohnung in Wien-Leopoldstadt das Leben gekostet.
Ein 57-Jähriger versetzte ihm mit einem Messer mit einer Klingenlänge von 25 Zentimetern zwei Stiche in den Rücken, wovon einer mit derartiger Wucht geführt wurde, dass er dem Opfer bis ins Herz drang. Der 49-Jährige verstarb am Tatort. Der 57-Jährige bestritt am Donnerstag in seinem Mordprozess am Landesgericht die Tötungsabsicht.
"Ich weiß, ich habe den Mann getötet. Das wollte ich nicht. Ich wollte ihn nur verletzen", sagte der Angeklagte. Seine Absicht sei es gewesen, dem Bekannten "ins Fettgewebe in der Seite zu stechen".
Verteidiger Zaid Rauf verwies auf die bisherige Unbescholtenheit seines Mandanten, der selbst die Polizei und die Rettung gerufen und im Innenhof auf seine Festnahme gewartet hätte. "Er hat dann auch noch bei der Spurensicherung mitgewirkt", betonte Rauf.
Trotz 2,2 Promille: voll zurechnungsfähig
Die beiden Männer hatten sich in der Wohnung einer gemeinsamen Bekannten getroffen. Alle drei stammten aus dem ehemaligen Jugoslawien. In Form von Bier und Jägermeister wurde reichlich dem Alkohol zugesprochen. Wie später festgestellt wurde, hatte der Angeklagte zum Tatzeitpunkt 2,2 Promille intus.
Einem von der Staatsanwaltschaft eingeholten psychiatrischen Gutachten zufolge war der Angeklagte an Alkohol in diesen Mengen gewöhnt und somit bei ihm volle Zurechnungsfähigkeit gegeben.
Zu späterer Stunde prallten in der Küche der Frau die unterschiedlichen Ansichten der drei zu den Jugoslawien-Kriegen in den 1990er-Jahren aufeinander. Vor allem die 47-jährige Frau - angeblich eine serbische Nationalistin - dürfte nicht der Meinung der Männer gewesen sein. Der Angeklagte hatte als Kroate mehrere Jahre im Krieg gekämpft, beim späteren Opfer handelte es sich um einen bosnischen Kroaten.
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"Es ist explodiert in mir"
Dieser wurde schließlich handgreiflich und dürfte die Frau zu Boden geschlagen haben. "Er hat sie hingehaut. Ich hab' gesagt: 'Was machst du? Bist du deppert?' Er hat mir gedroht: 'Halt die Papp'n, sonst passiert dir dasselbe wie ihr'. Da habe ich leider Gottes die Kontrolle verloren", schilderte der Angeklagte. Er sei aufgestanden, habe einen Schritt gemacht und das erstbeste Messer aus einer Küchenlade genommen: "Es ist explodiert in mir."
Man sei fröhlich zusammengesessen und habe gelacht, erinnerte sich die 47-Jährige als Zeugin. Ihr sei unbegreiflich, wie der nette Abend plötzlich eskalieren konnte. Sie habe "auf die Tischplatte gehaut" und mit der Polizei gedroht, als die Männer immer lauter und die Diskussion immer hitziger wurde.
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