Spektakuläres Rätsel

So groß wie Jupiter: Gigantischer Mond im Weltraum entdeckt

Illustration mit mehreren Planeten, Sternen und einem Raumschiff im Weltraum.
© Getty Images
Astronomen der Europäischen Südsternwarte ESO vermelden eine historische Entdeckung im All. Im fernen Sternsystem CD-35 2722 stießen Wissenschaftler auf Indizien für einen gigantischen Himmelskörper, der mindestens so schwer wie Jupiter ist und einen Braunen Zwerg umkreist.
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Sollten sich die aktuellen Messungen bestätigen, wäre es der erste zweifelsfreie Nachweis eines natürlichen Mondes außerhalb unseres Sonnensystems. Die Entdeckung gelang einem internationalen Team mithilfe von Hochpräzisionsinstrumenten am Very Large Telescope (VLT) in der chilenischen Atacama-Wüste. Im Zentrum der Forschungsarbeit stand das dort installierte Spezialinstrument CRIRES+, mit dem die Wissenschaftler minimale Schwankungen in der Bewegung des Zielobjekts aufspürten.

Diese rhythmischen Veränderungen deuten darauf hin, dass zwei Himmelskörper um einen gemeinsamen Massenschwerpunkt kreisen. Direkt mit optischen Teleskopen abgebildet werden konnte der mysteriöse Begleiter bislang noch nicht, seine Existenz verrät sich vorerst rein über die Schwerkraftwirkung. Die detaillierte Auswertung der Beobachtungsreihen wurde bereits im Juli im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht und nun von der Europäischen Südsternwarte im Rahmen einer offiziellen Mitteilung präsentiert.

Planet oder Mond: Ein Himmelskörper sprengt bekannte Kategorien

Das erforschte System CD-35 2722 weist eine hochgradig ungewöhnliche Konstellation auf, die bisherige astronomische Einteilungen ins Wanken bringt:

  • Der Zentralstern: Der primäre Stern des Systems besitzt etwa die halbe Masse unserer Sonne.
  • Der Braune Zwerg: Um dieses Zentralgestirn kreist ein Objekt mit der rund 37-fachen Masse des Jupiters.
  • Der Exosatellit: Um diesen Braunen Zwerg zieht wiederum ein Begleiter seine Bahnen, der mindestens die Masse des Riesenplaneten Jupiter auf die Waage bringt.

Aufgrund dieser gewaltigen Dimensionen tut sich die Wissenschaft mit einer eindeutigen Benennung schwer. Einerseits besitzt der Begleiter genügend Masse, um klassisch als eigenständiger Gasplanet eingestuft zu werden. Andererseits umkreist er keinen leuchtenden Stern, sondern einen Braunen Zwerg – was ihn definitionsgemäß zu einem Trabanten beziehungsweise Mond macht. Studienleiter Kevin Hoy fasste das Dilemma treffend zusammen: "Dieses System lässt sich mit Begriffen aus dem Sonnensystem wie 'Planet' und 'Mond' nur schwer definieren." Die Forscher sprechen daher vorläufig von einem Exosatelliten. Eine endgültige Verifizierung steht noch aus, da bisher kein einziger Exomond im All zweifelsfrei bestätigt werden konnte.

Was Braune Zwerge im Universum so besonders macht

Um das Phänomen im System CD-35 2722 zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Natur von Braunen Zwergen. Nach Definitionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa nehmen diese Himmelskörper eine faszinierende Zwischenstellung zwischen massereichen Gasplaneten und echten Sternen ein:

  • Massebereich: Braune Zwerge weisen üblicherweise die 13- bis 80-fache Masse des Planeten Jupiter auf.
  • Fehlende Fusion: Ihre Masse reicht schlichtweg nicht aus, um eine dauerhafte Kernfusion von Wasserstoff zu zünden, weshalb sie nicht eigenständig als vollwertige Sterne leuchten.
  • Wärmeverlust: Im Gegensatz zu langlebigen Sternen kühlen Braune Zwerge über Jahrmillionen kontinuierlich ab und werden immer lichtschwächer.
  • Nachweis im Infrarot: Da sie kaum sichtbares Licht abstrahlen, lassen sie sich von Observatorien vor allem über Wärmestrahlung im Infrarotbereich lokalisieren.
  • Entstehungswege: Ein Teil dieser Objekte entsteht wie klassische Sterne aus kollabierenden Gas- und Staubwolken, andere bilden sich ähnlich wie Planeten in dichten Materialscheiben rund um junge Sonnen.

Die Entdeckung am VLT beweist einmal mehr, wie unvollständig unser bisheriges Bild von Planetensystemen ist und welche exotischen Welten jenseits unserer Milchstraßen-Nachbarschaft auf ihre Erforschung warten.

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