29. Oktober

Schlaganfall: Schnell 
 handeln rettet Leben

© Getty Images/Science Photo Library RF
Am 29. Oktober ist Weltschlaganfalltag. Österreich verfügt über eine international hochstehende Schlaganfallversorgung und zählt auch in der Forschung zum europäischen Spitzenfeld.
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Darauf weist die Österreichische Schlaganfall-Gesellschaft (ÖGSF) anlässlich des Weltschlaganfalltages hin. Ein dichtes Netz spezialisierter Stroke Units, systematische staatliche Qualitätssicherung sowie innovative Forschung gewährleisten eine rasche und qualitativ hochwertige Behandlung. Gleichzeitig werden neue Wege in der Nachsorge beschritten: Eine große österreichische Studie untersucht derzeit eine digitale StrokeApp. Auch Prävention bleibt zentral: Bis zu 80 Prozent der Schlaganfälle könnten durch gezielte Maßnahmen verhindert werden.

Wenn dem Gehirn die Versorgung fehlt

Warnzeichen erkennen, Risiken senken. Ein Mundwinkel hängt, ein Arm wird kraftlos, die Worte fehlen: Ein Schlaganfall kann den Alltag jäh verändern. "Schnell handeln und nicht zögern ist die wichtigste erste Maßnahme", betont die Neurologin Primaria Priv.-Doz. Dr. Julia Ferrari in einer Aussendung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie. Bei Verdacht gilt deshalb: sofort die Rettung unter 144 rufen. Ein Schlaganfall kann jede und jeden treffen. In Österreich erleidet etwa alle 20 Minuten ein Mensch einen Schlaganfall, rund 20.000 Menschen sind pro Jahr betroffen. Umso entscheidender ist eine Versorgung, die die gesamte Behandlungskette umfasst: von wirksamer Prävention und dem raschen Erkennen der Symptome über die spezialisierte Akuttherapie bis hin zu Rehabilitation, strukturierter Nachbetreuung und neuen digitalen Versorgungskonzepten.

Priv. Doz. Dr. Michael Knoflach, Präsident der Österreichischen Schlaganfall- Gesellschaft. © Martin Vandory

Gerade die Verbindung von hoher Versorgungsqualität und innovativer Forschung macht Österreich zu einem der führenden Länder in der modernen Schlaganfallmedizin. "Entscheidend ist, die gesamte Versorgungskette im Blick zu haben, von der Prävention über die hochspezialisierte Akutbehandlung bis zur Rehabilitation und Nachsorge. Gleichzeitig müssen wir innovative digitale Möglichkeiten nutzen, um Patient:innen auch nach dem Spitalsaufenthalt bestmöglich zu begleiten", betont Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Michael Knoflach, neuer Präsident der Österreichischen Schlaganfall-Gesellschaft (ÖGSF) und Leiter der Arbeitsgruppe Schlaganfall an der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck.

Risiken kennen und gezielt behandeln

Meist verschließt ein Blutgerinnsel eine hirnversorgende Arterie. Der betroffene Gehirnbereich erhält zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, Nervenzellen können absterben. Das ist ein ischämischer Schlaganfall oder Hirninfarkt. Seltener liegt eine Hirnblutung vor: Ein Gefäß platzt, austretendes Blut schädigt das umliegende Gewebe. Welche Fähigkeiten ausfallen, hängt auch vom betroffenen Hirnbereich ab. Beide Formen gelten als echte Notfälle. Mit dem Alter steigt das Schlaganfallrisiko, doch auch jüngere Menschen können betroffen sein. Auch familiäre Vorbelastung spielt eine Rolle. Andere Faktoren sind gut beeinflussbar. Besonders wichtig ist der Blutdruck: Erhöhte Werte schädigen langfristig die Gefäße, bleiben aber oft lange unbemerkt. Regelmäßiges Messen hilft, sie zu entdecken. Ärztliche Kontrollen und die konsequente Behandlung bestehender Erkrankungen gehören daher zur Vorsorge. Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung helfen, das Risiko zu senken. Übergewicht kann über Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes zusätzlich belasten.

CT oder MRT helfen, Ursache und Ausmaß eines Schlaganfalls abzuklären. Das MRT-Bild zeigt, 
welcher Bereich des Gehirns vom Schlaganfall betroffen ist. © Getty Images

Plötzliche Ausfälle ernst nehmen

Typisch sind unvermittelt auftretende Beschwerden: eine einseitige Schwäche oder Lähmung im Gesicht, Arm oder Bein, Taubheitsgefühle sowie Probleme beim Sprechen oder Verstehen. Manche Betroffene finden keine Wörter, andere sprechen verwaschen oder können einfache Anweisungen nicht mehr befolgen. Möglich sind auch Doppelbilder, ein eingeschränktes Gesichtsfeld oder ein plötzlicher Sehverlust. Schwindel mit Gangunsicherheit, besonders zusammen mit weiteren neurologischen Ausfällen, kann ebenfalls ein Warnzeichen sein. Schlagartig einsetzende, ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen können auf eine Hirnblutung hinweisen. Auch wenn Beschwerden nach wenigen Minuten verschwinden, besteht keine Entwarnung: Dahinter kann eine transitorische ischämische Attacke, kurz TIA, stecken. Sie kann einem Schlaganfall vorausgehen und erfordert ebenfalls sofortige Abklärung. Beim Notruf ausdrücklich "Verdacht auf Schlaganfall" sagen und die Beschwerden schildern. Wichtig ist, wann sie begonnen haben. Informationen über Vorerkrankungen und eingenommene Medikamente helfen dem Behandlungsteam.

Im Spital entscheidet die Bildgebung

In der Notaufnahme beziehungsweise auf einer spezialisierten Schlaganfalleinheit, der Stroke Unit, erfolgen eine neurologische Untersuchung und eine Bildgebung des Gehirns mittels CT oder MRT. Sie klären insbesondere, ob ein Gefäßverschluss oder eine Blutung vorliegt. Davon hängt die Behandlung ab. Bei einer Hirnblutung erfolgt die Behandlung auf einer Stroke Unit oder, bei schweren Verläufen, auf einer Intensivstation. Ein neurochirurgischer Eingriff kann etwa notwendig sein, wenn die Blutung einen gefährlichen Druckanstieg im Schädel verursacht. Das Behandlungsteam überwacht engmaschig den neurologischen Zustand, insbesondere Bewusstsein und Lähmungserscheinungen, sowie Blutdruck, Herzrhythmus, Atmung, Körpertemperatur und Blutzucker. So lassen sich Verschlechterungen und Komplikationen frühzeitig erkennen und behandeln. Sobald es der Zustand erlaubt, beginnt die individuell abgestimmte Frührehabilitation. Physiotherapie fördert Beweglichkeit und motorische Fähigkeiten, Ergotherapie unterstützt das Wiedererlernen alltäglicher Handlungen. Die Logopädie behandelt Sprach- und Sprechstörungen und beurteilt die Schluckfunktion. Diese Untersuchung ist entscheidend, um die Nahrungsaufnahme sicher zu gestalten. Ziel ist, beeinträchtigte Funktionen bestmöglich wiederherzustellen und die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern.

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