PANIK-REAKTION

Marchfeldkanal: So kam es zum Drama mit 3 Toten

Ein Polizist trägt ein sichergestelltes SUP auf einem Feldweg neben einem Maisfeld.
© Viyana Manset Haber
Ermittler und Unfall-Experten gehen davon aus, dass ein Stand-up-Paddler in das Wehr geraten war und die anderen beiden mit ihm starben, als sie ihn retten wollten.
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NÖ. Nach der Bergung dreier Leichen aus dem Marchfeldkanal bei Gerasdorf (Bezirk Korneuburg) steht die Identität des dritten Opfers fest. Es handelt sich um einen 29-jährigen Österreicher, der gemeinsam mit einem 27-jährigen Wiener und einem arabischen Freund (28) einen Ausflug mit Stand-up-Paddleboards unternommen haben. Die Toten wurden bei einer Suchaktion am Donnerstag nahe der Wehranlage 3 bei Gerasdorf entdeckt.

Kleine Wehranlage mit Brücke, Wasser strömt unter der Brücke hindurch, umgeben von Bäumen.
Das durchfahren der Wehranlage ist mit Warnschildern untersagt. Boards und Co. müssen an Land vorbeigetragen werden. © Monatsrevue/Lenger

Um Licht in die (Ab)Gründe des SUP-Dramas zu bekommen, hat die Staatsanwaltschaft Korneuburg Obduktionen angeordnet. Ergebnisse lagen am Freitag vorerst nicht vor. Die Ermittler gingen weiterhin von einem tragischen Unfall aus. Hinweise auf Fremdverschulden gibt es laut Polizei nicht. Vermutet wird, dass das Trio beim Versuch, die Wehranlage zu durchfahren, ertrunken ist bzw. dass einer der drei in den rotierenden Sog von 5.000 Litern pro Sekunde gekommen war und dass die anderen in einer Art Panik-Reaktion hinterhergesprungen waren, um den Freund zu retten - und dann wurden alle drei hinuntergezogen.

Wie ein Experte auf sozialen Medien erklärt, entsteht bei einer Wehr unter Wasser ein rotierender Sog, auch "Wehrwalze" genannt, der alles und jeden endlos unter Wasser zieht. Durch die aufgewirbelte Luft verliert man den Auftrieb, da versagen selbst Schwimmwesten.

Für die Version mit der missglückten Rettung spricht, dass der jüngste der drei die Tour (Einstieg bei der Brünner Straße Richtung Deutsch-Wagram) oe24-Infos zufolge mit wechselnden Begleitern schon öfters gemacht hatte und daher durchaus bereits als erfahren galt.

Mutter von Tour-Leiter schlug Alarm

Zwei Feuerwehrtaucher im Wasser bei Nacht, Korb einer Drehleiter leuchtet Szene aus.
Feuerwehrtaucher bei der Suche nach den Vermissten nach einer Abgängigkeiztsanzeige. © FF GRossebersdorf

Die Abgängigkeitsmeldung nach den drei Wassersportlern, die am Montag zur Stand-up-Paddle-Tour aufgebrochen waren (und seit den Abendstunden desselben Tages am Handy nicht mehr erreichbar waren) erfolgte, wie bereits berichtet, am Mittwoch von der Mutter des 27-Jährigen, die sich immer mehr Sorgen machte. Im Bereich einer Wehranlage in Gerasdorf - nahe des Badeteiches - wurden dann die Boards und persönliche Gegenstände gefunden. Gegen 20.00 Uhr wurde eine große Suchaktion gestartet, an der auch Diensthunde, eine Drohne sowie Wasserpolizei und Feuerwehr beteiligt waren. Nach knapp fünf Stunden wurde der Einsatz abgebrochen und am Donnerstag in den Morgenstunden fortgesetzt. Vom Hubschrauber aus wurden zwei Leichen im Marchfeldkanal im Bereich der Seyringer Straße in Gerasdorf entdeckt, die dritte wurde kurz darauf in der Nähe gefunden.

Polizei und Einsatzkräfte an einem Einsatzort mit roten Zelt und mehreren Fahrzeugen im Freien.
3 junge Männer aus Wien ertranken im Marchfelkdkanal beim Standup-Paddeln - Großeinsatz. © Monatsrevue, Lenger

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