Wein/4-Festival
"KUNST BLUNZN": Uraufführung im Nitsch Museum
Was ist ein Kilo Blutwurst wert? Fünfzehn Euro, antwortet der Markt. Und ein mit Blut gemaltes Bild von Hermann Nitsch? Zweihunderttausend Euro. Diese schwindelerregende Diskrepanz – dasselbe Material, dieselbe Substanz, doch welten- und millionenweit auseinanderliegende Bewertungen – bildet den philosophischen Kern von „KUNST BLUNZN", einem neuen Theaterstück von Mathias Lefèvre, das im Rahmen des WEIN/4-Festivals 2026 seine Uraufführung erlebt.
Gespielt wird vom 3. bis 5. Juli 2026 in der Kapelle des nitsch museums in Mistelbach – einem Ort, der für diese Auseinandersetzung kaum passender sein könnte. Denn hier, wo Hermann Nitschs Aktionskunst ihre materielle und spirituelle Heimat gefunden hat, trifft Willis Geschichte auf ihren genuinen Resonanzraum.
Willi, der Fleischhauer
Ein Handwerker alten Schlages, der sein Handwerk verstand und sein Familienunternehmen mit Stolz führte – bis die Großkonzerne ihn verdrängten. Nach Jahren des Ringens, einigen Supermarktjobs und einer Umschulung zum „Käsesommelier" findet er sich schließlich, mit sechzig Jahren, als Museumswärter im nitsch museum wieder. „Mit Kunst kenne ich mich nicht aus, aber der Herr Krawetz hat gemeint, ich bin der perfekte Museumswärter, weil der Herr Nitsch hat auch mit Blut gearbeitet, wie ich."
In der stillen Welt des Museums, umgeben von Nitschs sakraler Materialkunst, beginnt Willi zu denken. Über Blut. Über Wert. Über eine Gesellschaft, die demselben Stoff je nach Kontext völlig unterschiedliche Würde zuspricht. Zwischen Fassungslosigkeit, verhaltener Eifersucht und stiller Bewunderung kreist sein Monolog um verpasste Chancen, wirtschaftliche Umbrüche und die fundamentale Frage: Wer bestimmt, was zählt?
Theater als inhaltliche Resonanzfläche
Die Inszenierung von Ursula Leitner nutzt den außergewöhnlichen Spielort mit großem Gespür: Die Kapelle des nitsch museums ist kein neutraler Bühnenraum, sondern ein aufgeladener Ort, an dem Kunst, Körper, Ritual und Materialität seit Jahrzehnten aufeinandertreffen. Das Theater begegnet hier nicht bloß einer Kulisse – es begegnet seinem zentralen Konflikt.
Josefstadt-Schauspieler Günter Franzmeier verleiht Willi mit trockenem Humor und uneitler Präsenz jene Menschlichkeit, die den Stoff weit über das Anekdotische hinaushebt. Willis Fragen sind nicht die eines verbitterten Verlierers – sie sind die eines aufmerksamen Beobachters, der mit den Mitteln der Alltagslogik an die großen Widersprüche unserer Zeit rührt: Was ist Arbeit wert? Was ist Kunst? Und warum wird dasselbe Material in einem Kontext zur Ware – und im anderen zur Legende?
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Spieltermine
Freitag, 3. Juli 2026, 19.30 Uhr – Premiere
Samstag, 4. Juli 2026, 19.30 Uhr
Sonntag, 5. Juli 2026, 18.00 Uhr
nitsch museum, Waldstraße 44–46, 2130 Mistelbach
Tickets telefonisch unter 0681/20884266 oder unter kupfticket.com/series/kunst-blunzn. Weitere Informationen gibt es auf viertelfestival.at/va/kunst-blunzn. In diesem Sinne: Wohl bekomm’s!
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