Das von den Nationalsozialisten errichtete Kehlsteinhaus am Obersalzberg in Berchtesgaden in Bayern ist in der Nacht auf Samstag durch ein Feuer weitgehend zerstört worden. Die Behörden gehen davon aus, den Verursacher gefasst zu haben. Es gebe deutliche Hinweise, dass ein im Umfeld gefasster Motorradfahrer den Brand gelegt hat. Der 33 Jahre alte Deutsche dürfte psychisch krank sein, hieß es am Samstagnachmittag von der Staatsanwaltschaft Traunstein.
Das habe ein psychiatrisches Kurzgutachten ergeben, sagte Staatsanwalt Rainer Vietze bei einer Pressekonferenz in Berchtesgaden. Der Mann sei einem Untersuchungsrichter in Rosenheim vorgeführt worden. Der Richter folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und wies den Mann, der seinen Wohnsitz in Berlin aber Verbindungen in die Region hat, noch am Samstag in eine geschlossene Psychiatrie ein.
Verdächtiger wollte vor Polizei flüchten
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) dankte der Polizei für ihr Eingreifen am Obersalzberg. Der mutmaßliche Brandstifter war den Einsatzkräften auf einem Motorrad auf der engen und steilen Kehlsteinstraße entgegengekommen. Es sei nicht leicht gewesen, ihn zu stellen. Nach dpa-Informationen hat der Mann auch einen Fluchtversuch auf seinem Motorrad unternommen.
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Der Brand richtete einen riesigen Sachschaden an. "Der Schaden geht sicher in die Millionen", sagte der Vorsitzende des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden, Bartl Wimmer. Herrmann hatte bereits betont, das Haus sei gut versichert, mögliche Ansprüche gegenüber der Versicherung würden geprüft. Der Wiederaufbau werde einige Zeit dauern. Der Freistaat Bayern ist Eigentümer des Gebäudes. Wegen des geschichtlich schwierigen Bezuges sollen auch Historiker in den Prozess einbezogen werden.
Das Kehlsteinhaus war in den 1930er-Jahren von den Nationalsozialisten als Teil des von Adolf Hitler genutzten Komplexes am Obersalzberg erbaut worden und wird inzwischen als frei zugängliche Berggaststätte genutzt. International ist das Ausflugsziel als "Eagles Nest" bekannt, was mit "Adlerhorst" übersetzt werden kann.
Lokal am Freitag geschlossen
Am Freitag war das Lokal jedoch nicht geöffnet. Nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Feuerwehr wurden keine Menschen verletzt. Allerdings konnte das Areal auch Samstagvormittag nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, was die Suche erschwerte. Die bereits am Freitagabend begonnenen Löscharbeiten liefen am Vormittag weiter.
Das 1.838 Meter hoch gelegene Haus am Obersalzberg unweit der österreichischen Grenze ist schwer zu erreichen - normalerweise wird es mit Bahnbussen der sogenannten Kehlsteinlinie erschlossen. Laut Deutscher Bahn dauert die Auffahrt 20 Minuten und verläuft durch fünf Tunnel. Das Gebiet wurde weiträumig abgesperrt.
Erbaut in NS-Zeit
Das Gebäude ist seit 1952 eine Berggaststätte. Es wurde 1938 fertiggestellt und befand sich in einem damals abgeriegelten und für die Öffentlichkeit gesperrten Wohn- und Regierungsareal der nationalsozialistischen Führung. Eine Ausstellung dort widmet sich der Geschichte des Gebäudes.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden schreibt auf seiner Seite über das Haus: "Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering." Häufig sei das Haus von der am Obersalzberg versammelten NS-Entourage zur Erholung und für private Feiern genutzt worden.
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