Gastro-Experiment
Handy weg! Beliebte Urlaubsinsel verbietet das Smartphone beim Essen
Das Projekt trägt den Namen "A tavola senza schermi", zu Deutsch "Am Tisch ohne Bildschirme", und beginnt am 1. November. Einen Monat lang können Familien in den teilnehmenden Lokalen auf Sardinien (Italien) freiwillig mitmachen. Hinter der Initiative stehen Anna Cau, die sich auf Sardinien für die Rechte und den Schutz von Kindern und Jugendlichen einsetzt, sowie der Gastronomieverband Fipe Confcommercio Sardegna. Auch der italienische Kinderärzteverband FIMP unterstützt das Projekt.
Spiele statt Smartphone
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Das Konzept ist einfach: Wer sich auf die handyfreie Mahlzeit einlässt, verstaut sein Smartphone in der Tasche oder legt es in einen dafür vorgesehenen Korb. Damit nicht schon beim Warten auf das Essen Langeweile aufkommt, erhalten die Familien ein sogenanntes "Kit del Ritrovo" – ein Set mit Spielen und Beschäftigungsideen für verschiedene Altersgruppen.
Dazu gehören Malmaterialien und kleine Spiele, die Gespräche anregen sollen. Die Beschäftigungen sind für die Wartezeit gedacht und werden weggeräumt, sobald das Essen beginnt. Für die Eltern gibt es außerdem Informationsmaterial mit Tipps zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit digitalen Medien.
Freiwillig statt striktes Handy-Verbot
Die Initiative setzt nicht auf Zwang. Die teilnehmenden Restaurants bieten den Familien eine freiwillige Vereinbarung an, mit der sich alle am Tisch auf eine gemeinsame Handy-Pause einigen können. Ausnahmen sollen vorher besprochen werden. Wer einen dringenden Anruf erledigen muss, soll dafür vom Tisch weggehen.
Besonders wichtig ist den Initiatoren, dass auch Erwachsene mitziehen. Denn wenn Eltern ständig auf ihr Display schauen, fällt es Kindern schwer, selbst darauf zu verzichten. Die Mahlzeit soll wieder zu einer gemeinsamen Zeit werden, in der Familien über ihren Tag sprechen, statt nebeneinander auf Bildschirme zu blicken.
Kampf gegen zu viel Bildschirmzeit
Hinter dem Projekt steht die Sorge, dass Smartphones im Alltag von Kindern und Jugendlichen zu viel Raum einnehmen. Ein vom Kinderärzteverband FIMP erstellter Ratgeber verweist auf Studien, nach denen 95 Prozent der italienischen Jugendlichen regelmäßig ein Smartphone nutzen. Etwa ein Viertel zeige Anzeichen einer problematischen Nutzung. Die Zahlen stammen aus dem Ratgeber und den darin zusammengefassten Erhebungen, nicht aus einer aktuellen Untersuchung der 15 Restaurants.
Die Kinderombudsfrau Anna Cau betont, dass Kinder vor übermäßiger Nutzung digitaler Geräte und ungeeigneten Inhalten geschützt werden müssten. Gleichzeitig sollten Eltern lernen, die Chancen und Risiken der Technik besser einzuschätzen.
Wird das Modell ausgeweitet?
Ursprünglich war das Projekt für acht Restaurants vorgesehen. Weil sich weitere Betriebe freiwillig meldeten, wurde es auf 15 Lokale ausgeweitet. Sie verteilen sich über die Insel – von Cagliari im Süden bis nach Alghero, Olbia und Santa Teresa Gallura im Norden. Nach dem einmonatigen Versuch soll geprüft werden, ob die Aktion auf weitere Restaurants ausgedehnt werden kann.
Ob die handyfreie Mahlzeit langfristig etwas verändert, muss sich erst zeigen. Die Idee dahinter ist jedoch klar: Manchmal braucht es offenbar einen kleinen Anstoß, damit beim Essen wieder das im Mittelpunkt steht, worum es eigentlich geht – die Menschen am selben Tisch.
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