Gemeinderatswahl

Graz: So verbringen die Kandidaten den Wahltag

Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) am Sonntag bei ihrer Stimmabgabe im Rahmen der Gemeinderatswahl in Graz.
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Apfelknab, Schwentner, Pointner und Schönbacher waren die ersten Spitzenkandidaten an der Wahlurne - Hohensinner, Kahr und Kampus folgten
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Die Gemeinderatswahl in Graz hat um 7.00 Uhr begonnen und bis Mittag haben sämtliche Spitzenkandidaten und -kandidatinnen ihre Stimme abgegeben. Alle waren optimistisch und einige haben auch das frühmorgendliche Fußballspiel Österreich gegen Algerien verfolgt - zumindest die Schlussminuten. Bis zum Wahlschluss um 16.00 Uhr werden die Parteispitzen noch Zeit mit ihren Familien verbringen, ehe sich alle im Rathaus einfinden.

Der Spitzenkandidat der FPÖ, René Apfelknab, erschien um 9.00 Uhr in der Volksschule Graz-Neuhart im Bezirk Wetzelsdorf. "Ich habe schon eine frühe Wanderung auf den Buchkogel gemacht", sagte er auf Befragen, dabei habe er Rehe mit Kitzen, einen Fuchs und einen Hasen beobachtet. Vom WM-Fußballmatch Österreichs gegen Algerien habe er noch das 1:1 gesehen, dann sei er aufgebrochen. Für die Wahl habe er ein gutes Gefühl, aber es sei schwer einzuschätzen. Er habe jedenfalls sich selbst eine Vorzugsstimme gegeben, sagte Apfelknab, der in Begleitung seiner Lebensgefährtin wählte.

FPÖ-Spitzenkandidat René Apfelknab
FPÖ-Spitzenkandidat René Apfelknab © APA/HANS KLAUS TECHT

Schon um 9.00 Uhr hatte es an die 28 Grad Celsius, viele Menschen erschienen daher in knapper Freizeitkleidung im Wahllokal. Einige schwangen sich gleich danach aufs Rad, um noch die kühleren Stunden zu nutzen. Apfelknab selbst plante noch, seine Mutter zum Mittagessen abzuholen. Danach gehe es am Nachmittag in die Innenstadt und zur Wahlrunde vor den ORF-Kameras bzw. zur Pressekonferenz ins Rathaus.

Schwentner und Pointner nutzen Vormittag noch für die Familie

Die Grünen-Spitzenkandidatin Judith Schwentner spazierte mit Ehemann Thomas Wolkinger zum Wahllokal in der Volksschule Krones im Zentrum der Stadt. Ihr Bauchgefühl für den Ausgang der Wahl sei "bis zum Schluss ein gutes". Wichtig sei, dass die Bevölkerung trotz der Hitze ihre Stimme abgibt. Und beim Stichwort Hitze ergänzte sie auch gleich noch ihr Wahlmotto: "Grün statt grau." Geschlafen habe sie gut. Das Fußball-Spiel am Morgen habe sie nicht verfolgt, nur das Ergebnis nachgelesen. Nach der Stimmabgabe wolle sie noch mit ihrem Ehemann einen Spaziergang machen und danach ein gemeinsames ausgedehntes Frühstück.

Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) und ihr Ehemann Thomas Wolkinger
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) und ihr Ehemann Thomas Wolkinger © APA/INGRID KORNBERGER

Der Spitzenkandidat von NEOS, Philipp Pointner, hat seine Stimme am Sonntag bei wolkenlosem Himmel im Vereinsgebäude beim Mariatroster Teich im gleichnamigen Bezirk abgegeben. Beim Wahllokal herrschte reger Betrieb. Der Eissalon nebenan war geöffnet. Pointner entschied sich nach der Stimmabgabe für eine Kugel pink: Himbeer-Sorbet. "Wir haben fünf Jahre gut gearbeitet. Da ist man dann am großen Tag nicht mehr nervös, sondern voller Freude", meinte er auf Journalistenfragen. Im Anschluss wolle er sich der Familie widmen. Zu Mittag stand ein gemeinsamer Besuch bei einem Backhendl-Wirt am Programm. KFG-Stadträtin Claudia Schönbacher wählte übrigens schon um 8.00 Uhr im Wahllokal "Don Bosco" in ihrem Heimatbezirk Gries.

NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner
NEOS-Spitzenkandidat Philipp Pointner © APA/ANNEMARIE HAPPE

Hohensinner und Kahr schauten ein wenig Fußball

ÖVP-Spitzenkandidat und amtierender Sport- und Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner kam pünktlich um 10.00 Uhr und gemeinsam mit seiner Familie zum Wahllokal. In der Bäckerei Kern im Grazer Hügelbezirk Waltendorf herrschte zu diesem Zeitpunkt stetiger, aber moderater Betrieb. Hohensinner zeigte sich trotz nächtlicher Schlafunterbrechung zwecks Österreich-Match ausgeschlafen: "In der 75. Minute hat mich mein Sohn aufgeweckt, und wir haben uns dann die entscheidende Phase angeschaut. Es war fast unglaublich, was sich da abgespielt hat." Bezüglich des Endergebnisses zog Hohensinner eine Parallele zum aktuellen Wahlgeschehen: "Das X passt jetzt schon einmal, weil das Österreich weiterbringt. Jetzt brauchen wir noch ein X für die Grazer Volkspartei."

Kurz vor 10.30 Uhr hat dann auch KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr im Oeverseegymnasium im Grazer Bezirk Gries ihre Stimme abgegeben. Begleitet wurde sie von ihrem Lebensgefährten Franz Stephan Parteder. Vor dem Wahllokal wartete bereits ein größeres Medienaufgebot. Zwei Bäume vor dem Eingang spendeten den Wählerinnen und Wählern in der Hitze etwas Schatten. Mit einem Fächer in der Hand lächelte Kahr den Kameras kurz zu und bat zunächst um Verständnis: "Ich gehe jetzt schnell wählen."

Nach der Stimmabgabe wollte sie sich keinen "Spekulationen" hingeben. "Hoffentlich wird es nicht so spannend wie Österreich gegen Algerien", sagte die Bürgermeisterin mit Blick auf das Fußballspiel und den Wahlabend. Ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" wünsche sie sich nicht. Den Umfragen, die es im Vorfeld gegeben hatte, vertraue sie nicht, aber: "Natürlich wünsche ich mir eine gestärkte KPÖ." Sie habe jedenfalls "das gute Gewissen, dass wir viel gearbeitet haben die letzten Jahre und unser Bestes getan haben". Aufgewacht sei Kahr am Wahltag demnach "relativ unaufgeregt". Von dem Fußballspiel habe sie noch die letzten fünf Minuten gesehen: "Da habe ich mich sehr gefreut, das war sehr mitreißend." Bis zur Auszählung habe sie "nichts Großartiges" geplant. Den restlichen Wahltag wolle Kahr zu Hause mit ihrem Mann verbringen.

Kampus glaubt an ein Plus

SPÖ-Spitzenkandidatin Doris Kampus ging am späten Sonntagvormittag im ABZ Andritz mit Ehemann Daniel wählen. Sie hatte sich wie einige andere Spitzenkandidaten in aller Herrgottsfrüh das WM-Fußballspiel Österreich gegen Algerien "gegeben" und in der 96. Minute gejubelt: "Das gibt's ja nicht!" Das gute Gefühl mit dem Weiterkommen des ÖFB-Teams ging konform mit den Erwartungen bei der Gemeinderatswahl.

"Gestaltung ist in unserer DNA als Sozialdemokraten", sagte die frühere Landesrätin. Sie glaube an ein Plus vor der Zahl, also an Zugewinne. "Ich bin sehr, sehr zuversichtlich, schließlich haben wir seit 38 Jahren immer verloren, wenn auch von einem sehr hohen Niveau ausgehend", spielte Kampus auf die Zeit der SPÖ als Bürgermeisterpartei an. Von der Bundes- und Landespartei (Vizekanzler Andreas Babler bzw. Abg. Max Lercher, Anm.) habe sie sich ausreichend unterstützt gefühlt, sagte sie auf Journalistenfragen. Man werde auf jeden Fall in der kommenden Legislaturperiode konstruktive Projektpolitik machen, ein "mit Haut und Haaren" um jeden Preis in einer Koalition werde es nicht geben. Kampus ging nach der Stimmabgabe in ein nahes Gasthaus, Backhendl für die Familie zum Mittagessen holen.

Wahlschluss um 16.00 Uhr

Gleich nach dem Öffnen der Wahllokale haben ÖVP, SPÖ, Grüne und NEOS in einer gemeinsamen Aussendung Ärger über die KPÖ Luft gemacht: "Mit großem Befremden nehmen wir zur Kenntnis, dass sich die KPÖ nicht an das gemeinsam ausverhandelte Fairnessabkommen für die Grazer Gemeinderatswahl hält. Darin wurde unmissverständlich vereinbart, auf jegliche Parteiwerbung vor den Wahllokalen zu verzichten. Dass die KPÖ diese gemeinsame Vereinbarung missachtet, ist nicht akzeptabel und untergräbt das Vertrauen in faire Spielregeln im demokratischen Wettbewerb." Sie forderten die KPÖ auf, die betreffenden Plakate "umgehend zu entfernen und sich an das von allen Parteien vereinbarte Fairnessabkommen zu halten".

Alle 111 Wahllokale in der steirischen Landeshauptstadt Graz haben ihre Türen seit 7.00 Uhr für die Wahl eines neuen Gemeinderats geöffnet. 225.883 Personen (2021: 223.512) sind wahlberechtigt und können zwischen elf Parteien und Listen entscheiden. Umfragen deuten auf einen Sieg für Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) hin, die 2021 überraschend Platz eins geholt hatte. Wahlschluss ist 16.00 Uhr. Eine erste Hochrechnung gibt es um 17.00 Uhr.

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