Nach Graz-Wahl
Beben in der SPÖ: Parteichefin tritt zurück
Die Grazer SPÖ-Chefin Doris Kampus ist am Ziel, aus eigener Kraft den Wiedereinzug in den Stadtsenat zu schaffen, klar vorbeigerudert. Die SPÖ musste nach 38 Jahren ununterbrochener Verluste bei der Graz-Wahl wieder ein Minus einstecken. Nur 5,6 Prozent (2021: 9,5 Prozent) markieren den Tiefpunkt der Grazer Roten. Kampus zog im Parteivorstand Montagabend die Konsequenzen und trat als Stadtparteivorsitzende zurück. Sie nimmt weder Gemeinderats- noch Bezirksratsmandat an.
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Die gebürtige Weststeirerin Kampus war Ende Juni 2025 von ihrem Parteivorstand zur Spitzenkandidatin für die Gemeinderatswahl gewählt worden und hatte sich im Wahlkampf auf das Thema Gesundheit konzentriert. Als praktisch erste Parteichefin präsentierte sie im November 2025 ihr Team für die Gemeinderatswahl.
Schweres Erbe zu bewältigen
Kampus übernahm - wie schon einige SPÖ-Chefs nach Bürgermeister Alfred Stingl - ein schweres Erbe. Seit 2003 rutschten die Sozialdemokraten von der einst stolzen Bürgermeisterpartei unter Stingl stets ab und liegen nun bei weniger als 6 Prozent. Bei der Gemeinderatswahl 2017 hatten die Sozialdemokraten mit nur 10,05 Prozent der Stimmen ihren einzigen Sitz im nach Proporz geregelten Stadtsenat verloren. 2021 fiel man unter die 10 Prozent und hielt bei vier Mandaten im 48-köpfigen Gemeinderat. Nun sind nur noch zwei Mandate übrig und auch der Klubstatus futsch. Nach der Wahl 2021 gehörte die SPÖ noch zur Rathauskoalition unter Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) und mit Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne). Kampus schloss allerdings schon vor der Wahl aus, dass sie sich noch einmal auf einen ähnlichen Deal einlässt. Sie wollte aus eigener Kraft den Wiedereinzug in den Stadtsenat erreichen - scheiterte aber.
Zur Person
Doris Kampus wurde am 26. April 1967 im weststeirischen Köflach geboren. Sie absolvierte in ihrer Heimatstadt die Volksschule und das Gymnasium, wo sie 1985 maturierte. Danach studierte sie an der Grazer Universität Übersetzerin/Dolmetscherin und schloss das Studium 1991 ab. Nach vier Jahren bei einem Logistikunternehmen hatte sie eine Praktikumsstelle bei der EU-Kommission in der Generaldirektion für Arbeit, Beschäftigung und Sozialpolitik - ein Bereich, in dem sie fortan ständig tätig sein sollte. Sie war parlamentarische Mitarbeiterin bei der späteren SPÖ-Staatssekretärin Heidrun Silhavy und Geschäftsführerin der EU-Regionalmanagement Obersteiermark Ost GmbH.
Im Sommer 2008 wurde Kampus Abteilungsleiterin für die Landes- und Gemeindeentwicklung im Amt der Steiermärkischen Landesregierung - in jenen Jahren, als die Gemeindestrukturreform umgesetzt wurde. Im Frühjahr stieg sie zur Landesrätin für Soziales, Arbeit und Integration auf. Diese Funktion hatte sie auch in der Regierung Schützenhöfer II und in der von dessen Nachfolger Christopher Drexler inne, bis sie am 18. November 2024 (nach der Wahlniederlage der ÖVP-SPÖ-Koalition, Anm.) ihre Funktion abgab. Seither ist Kampus Abgeordnete zum Landtag, sie arbeitet im Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft, Europa und Gesellschaft. Kampus ist verheiratet und Mutter dreier erwachsener Kinder.
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