Schlag in Wien

30 Kilo Koks: Protz-Benz als Drogenbunker gestoppt

Offener Kofferraum eines Autos, davor mehrere beschlagnahmte Kokainpakete am Boden.
© Kopt
In einer Wohnhausanlage in Liesing thronte ein serbsicher Drogen-Baron, der die Tiefgarage als Suchtgiftumschlagplatz nutzte. Das Kokain war in einem Geheimfach im Kofferraum versteckt.  Die Wiener Polizei konnte die ganze Bande ausheben.
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Wien. Drogenfahndern ist heuer die größte Sicherstellung von Kokain in Wien seit zehn Jahren gelungen. Die Ermittlungen von Herbst 2025 bis Februar dieses Jahres endeten mit dem Aufgriff von in Summe gut 30 Kilogramm Koks sowie 37 Kilogramm Cannabisharz und sechs Festnahmen, sagte Christoph Hackl vom Landeskriminalamt am Montag. Die Gruppierung, die zusammen mittlerweile schon 17 Jahre und zwei Monate an unbedingten Haftstrafen ausgefasst hat, gehöre zu einer "mafiösen Struktur" eines Balkan-Clans.

Auch 37 Kilo Cannabisharz, Bargeld und Handys konnten sichergestellt werden.
Auch 37 Kilo Cannabisharz, Bargeld und Handys konnten sichergestellt werden. © LPD Wien

Drogen-Boss tarnte sich als Skitourist

Geschmuggelt wurden die Drogen aus Valencia in Spanien via Fähre über Genau nach Wien in einem speziell präparierten Mercedes-S-Klasse. Der Protz-Benz verfügte über ein derart raffiniertes Geheimversteck mittels Magnetschalter hinter der Rückbank, dass die Suchtmittel bei "normalen" Kontrollen verborgen blieben. Erst forensische Untersuchungen durch Spezialisten des Bundeskriminalamts förderten die Schmuggelware ans Tageslicht, sagte Hackl. "Getarnt" hatte sich der Lenker, indem er stets Skiausrüstung mitführte. Drogendealer-Humor: Mit Schnee zum Schnee...

Den Anstoß zu den Ermittlungen gab ein Hinweis aus der Drogenszene auf eine serbische Tätergruppe, die in einem übel beleumundeten Nachtlokal in der Meidling Steinbauergasse einen regen internationalen Suchtgifthandel betreiben solle. Der 43-jährige Boss der Gruppierung - eine bisher noch nie in Erscheinung getretene Neubesetzung im Solde eines der berüchtigten Balkan-Clans - lebte als U-Boot in einer angemieteten Unterkunft in einer Wohnhausanlage in Liesing, wobei er von der Tiefgarage aus seine krummen Geschäfte leitete. Bei ihm wurden 20 Kilogramm Koks gefunden.

Ein Komplize hatte eine scharfe Waffe im Auto und wurde festgenommen, weil er seien Ex-Frau mit Peilsender stalkte udn mit Mord bedrohte.
Ein Komplize hatte eine scharfe Waffe im Auto und wurde festgenommen, weil er seien Ex-Frau mit Peilsender stalkte udn mit Mord bedrohte. © LPD Wien

Die weiteren zehn Kilogramm waren da schon mit dem beigen S-Klasse-Benz, gelenkt von einem professionellen Drogenkurier, in Richtung Slowenien unterwegs. Ein 31-jähriger Kroate wurde an der Grenze in Spielfeld geschnappt. Zudem wurden ein weiterer 31-Jähriger, österreichischer Staatsbürger und Lieferant von 27 Kilogramm Cannabisharz, festgenommen, ebenso zwei Handlanger des Hauptverdächtigen, ein Serbe (39) und ein Iraker (36), die für die Weiterverteilung der Drogen in Wien sorgten.

Femizid an Frau von Komplizen verhindert

Im März mussten die Ermittler ihre Pläne zur weiteren Verfolgung der Gruppierung über den Haufen werfen: Ein dritter "Subdealer", ein 38-jähriger Österreicher, stellte für seine Ex-Frau, die er zuvor schon mehrfach gefährlich bedroht und auch per Peilsender gestalkt hatte, eine mehr als ernste Gefahr (im Verzug) dar. "Die Delikte nach dem Suchtmittelgesetz wurden hinten angestellt, um gegen den Beschuldigten eine Festnahme zu erwirken und die Gefahr abzuwenden", berichteten die Kriminalisten. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon mehrere Betretungsverbote gegen ihn bestanden, dazu kam dann noch die Morddrohung. Bei der Anhaltung hatte der 38-Jährige eine geladene Faustfeuerwaffe in der Mittelkonsole seines Autos griffbereit.

Insgesamt erfolgten somit fünf Festnahmen wegen grenzüberschreitender Suchtmittelkriminalität und eine weitere wegen der oben genannten Morddrohung. "Insgesamt konnten über 30 Kilogramm Kokain mit einem Schwarzmarktwert von circa drei bis 3,5 Millionen Euro sichergestellt werden, weitere 27 Kilogramm Cannabisharz, eine fünfstellige Summe an Bargeld sowie drei Fahrzeuge, wo die Abschöpfung veranlasst wurde.

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