Wunsch ans Rathaus

30 Jahre Orpheum: Vor zwei Jahren drohte das Aus

Eingang des Theaters Orpheum in Wien mit Plakaten und Hinweisschildern an der Fassade.
© APA/GEORG HOCHMUTH
Von Josef Hader bis Bryan Adams haben hier schon Stars auf der Bühne gestanden. Doch beinahe wäre im Orpheum der Vorhang für immer gefallen. Jetzt feiert das Haus seinen 30er.
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Das Orpheum ist eine Kleinkunstinstitution in Wien. Als Donaustädter Kabarett- und Musikbühne war es lange eine der wenigen kulturellen Nahversorger in Transdanubien. Am 9. November begeht das Haus mit einer Spezialshow seinen 30. Geburtstag. Zum Feiern war den Geschäftsführern Heide Schwarzl und Christoph Hauke aber gerade in jüngerer Vergangenheit allerdings nicht immer zumute. Zum Geburtstag wünscht man sich eine Kabarettförderung.

"Ich würde sagen, wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Schwarzl im APA-Gespräch auf die Frage nach der aktuellen Lage der Traditionseinrichtung. So richtig schwer gemacht hat dem Leitungsduo die Pandemiezeit. 2018 und 2019 seien so gut gelaufen wie kein Jahr davor, dann kam der harte Schnitt und die sehr schwierige Anlaufphase danach. Dazu kamen die hohe Inflation und die gestiegenen Energiepreise.

Durchschnaufen nach schwierigen Jahren

"Das vergangene Jahr war das erste seit Corona, wo wir wieder durchgeschnauft und gesagt haben: Wir sind überzeugt, dass wir es schaffen. Davor war es schon sehr fragwürdig, ob wir es noch hinbekommen", erinnert sich Schwarzl. Stand gar ein Aufgeben und Zusperren im Raum? "Vor zwei Jahren haben wir darüber nachgedacht", räumt die Co-Geschäftsführerin ein.

Eine Frau gestikuliert während eines Interviews in einem festlich beleuchteten Raum.
"Vor zwei Jahren haben wir darüber nachgedacht", räumt Heide Schwarzl ein, als es um eine mögliche Schließung geht. © APA/GEORG HOCHMUTH

Zwischendurch habe die Auslastung bei 50 Prozent gelegen, inzwischen ist man bei fast 80 angelangt - und liege damit sogar etwas über dem Vor-Corona-Niveau. 300 Menschen haben Platz im Orpheum. Wird auf Bestuhlung und Tische - während der Vorstellungen wird man auch vom angeschlossenen Beisl bewirtet - verzichtet, verdoppelt sich die Kapazität. Technisch aufgerüstet wird immer wieder - zuletzt etwa in Form einer Wärmepumpe, die auch kühlen kann. "Sonst wären heuer der Juni und September gar nicht mehr spielbar gewesen", erinnert Schwarzl an den Rekord-Hitzesommer.

"Es hat ausgeschaut wie in einer abgefuckten Spitalskantine"

Ein älterer Mann mit Hut und Brille lächelt und winkt in gemütlicher Atmosphäre in die Kamera.
Orpheum-Gründer Erich Schindlecker hat das ehemalige Kino 1996 in eine Kabarett- und Musikbühne verwandelt. © APA/GEORG HOCHMUTH

Sie und Hauke führen seit 2004 den Betrieb. Urvater des Orpheums ist allerdings Erich Schindlecker, der heute als Teilgesellschafter immer noch 50 Prozent hält. Aufmerksam gemacht auf das ehemalige Kino wurde er damals von Fritz Aumayr, nunmehriger Stadtsaal-Leiter und Gründer von Kulisse und Vindobona, erzählt Schindlecker. "Im Eingangsbereich hat es ausgeschaut wie in einer abgefuckten Spitalskantine - furchtbar", lacht der ehemalige Chef. Also wurde umfangreich saniert, bevor das Haus dann am 10. November 1996 seine Pforten öffnete.

"In der Zeit, als wir aufgesperrt haben, wurde schon geschrieben, dass das Goldene Zeitalter des Kabaretts vorbei sei", sagt Schindlecker. "In Wirklichkeit aber hat sich der Boom seither multipliziert." In Erinnerung ist dem einstigen Hausherren auch noch, als die damalige Kulturstadträtin Ursula Pasterk (SPÖ) die neue Bühne mit den Worten eröffnete: "Liebe Donaustädterinnen, liebe Donaustädter! Hier können Sie künftig den Aperitif genießen, und zum Kulturgenuss fahren Sie in die Stadt." "Ich habe lange darüber nachgedacht, ob da vielleicht ein Augenzwinkern war. Aber ich habe keines gesehen", meint Schindlecker im Rückblick.

Hader, Danzer, R.E.M.

Der Erfolg hat den Betreibern sowieso recht gegeben. Josef Hader, Roland Düringer oder Andreas Vitasek - damals schon Größen des Genres oder gerade dabei, solche zu werden - fühlten sich auch in der Donaustadt schnell zu Hause. Neben Kabarett spielten bald auch Konzerte eine wichtige Rolle. Georg Danzer oder Kurt Ostbahn traten regelmäßig auf, aber zwischendurch auch schon einmal internationale Kapazunder wie R.E.M. oder Bryan Adams. Derzeit bestehe das Line-up vor allem aus Coverbands, erzählt Hauke. Aber auch der Nino aus Wien, Voodoo Jürgens, Ernst Molden oder die 5/8er in Ehr'n finden immer wieder den Weg in die Steigenteschgasse 94B. In den vergangenen Jahren hat der Musikanteil laut Führungsduo im Gesamtprogramm zugenommen.

Ein Mann mit langen Haaren und grauem T-Shirt spricht und gestikuliert in einem dekorierten Raum.
Geschäftsführer Christoph Hauke sieht das Orpheum als eine Art Heimatbühne für viele bekannte Kabarettstars. © APA/GEORG HOCHMUTH

Ist es schwer, angesichts deutlich größerer Spielstätten wie Stadtsaal oder Globe noch große Namen der Kabarettszene über die Donau zu holen? "Ohne vermessen klingen zu wollen, würde ich sagen, dass das Orpheum ein Zugpferd ist, wo Zugpferde sich wohlfühlen", betont Hauke. Viele Stars der Branche würden das Haus als so etwas wie eine "Heimatbühne" sehen. Und somit spielt auch ein Megaseller wie Alex Kristan, der mit seiner aktuellen Show "Born To Be Child" drei Dutzend Mal im Globe gebucht ist, zuweilen im Orpheum vorbei - in diesem Fall vielleicht auch in ewiger Dankbarkeit. Denn dort war es, als der noch einigermaßen unbekannte Humorist 2012 mit seinem ersten Solo "Jetleg für Anfänger" Premiere hatte. Auch wenn man sich grundsätzlich nicht als dezidierte Talenteschmiede wie etwa das Niedermair sieht - das war dann doch eine Entdeckung. Und mit Newcomer-Namen wie Benedikt Mittmannsgruber oder Ina Jovanovic versucht man, junges Publikum anzulocken.

"Gewisse Notwendigkeiten" durch Stadtrandlage

Macht es die Vorstadtlage ohne direkte U-Bahn-Anbindung eigentlich schwer für eine Kulturinstitution? "Die Lage macht es eigentlich leichter", versichert Hauke. Allein der 21. und 22. Bezirk hätten 200.000 Einwohner, dann kommen noch das Weinviertel und das Burgenland als Einzugsgebiete dazu. Das sei auch das Publikum, das sich in Bühnenwirtshäusern wie hier richtig wohl fühle. Inhaltlich bringe die "Randlage" "gewisse Notwendigkeiten" mit sich, weiß Hauke: "Das Experimentelle ist eher im Stadtkern daheim. Zehn Zeilen lange Schachtelsätze sind auch nicht unbedingt das, was uns am meisten Publikum bringt."

Auf viele Gäste hofft man jedenfalls bei der Geburtstagsparty am Montag. Unter dem Motto "O 30" gibt die frühere Band von Kurt Ostbahn ein Konzert, viele Gäste feiern auf der Bühne mit - darunter Birgit Denk, Tini Kainrath, Andreas Vitasek, Herbert Prohaska, Monti Beton und Andy Lee Lang.

Ein Geburtstagswunsch

Einen Geburtstagswunsch richten die Orpheum-Chefs dann auch noch in Richtung Rathaus. "Die Politik sollte schon darüber nachdenken, ob man diese strikte Prämisse, das Kabarett in Wien nicht zu fördern, nicht aufgeben sollte - noch dazu, wo es so ein Markenzeichen ist", formuliert es Schindlecker: "Denn wenn die Inflation noch mehr steigt, die Energie noch teurer wird, kannst du irgendwann nicht mehr die nötigen Einnahmen herbeischaffen, um die extrem steigenden Ausgaben abzudecken." Schwarzl und Hauke plädieren für eine Art Spielsubvention und nicht nur für investitionsbezogene Unterstützungen. Denn die Wertschöpfung sei "durchaus enorm", führt die Co-Geschäftsführerin ins Treffen. "Da geht es um mehr als zwei Millionen Euro Umsatz pro Jahr."

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