Rendi attackiert Doskozil
SPÖ versinkt in Schlammschlacht
Wien. Dass die Steigerung von Todfeind schlicht Parteifreund ist – das beweisen Pamela Rendi-Wagner und Hans Peter Doskozil derzeit täglich und lassen die Partei in einer Schlammschlacht versinken.
Lügner. Nach diversen Schlagabtäuschen eskalierte Rendi Montagabend in einem TV-Interview und warf dem Burgenländer wörtlich vor, „unehrlich“, also ein Lügner, zu sein. Sie habe Doskozil vorgeschlagen, nach dem Mord an der 13-jährigen Leonie gemeinsam eine harte Asyllinie zu verkünden. Der habe abgelehnt, dann aber der SPÖ eine unklare Haltung attestiert. Doskozil sieht das anders, er habe einfach anlässlich eines Mordes keine Pressekonferenz geben wollen. Rendi warf er gestern vor, ihn zu „beflegeln“.
Gewerkschafter für Rendi. Das Abwatschen auf offener Bühne spaltet die Partei. Mit den Gewerkschaftsbossen Rainer Wimmer und Josef Muchitsch rückten am Dienstag zwei gewichtige Rendi-Befürworter aus: „Die öffentliche Streiterei muss ein Ende haben“, so Muchitsch zu ÖSTERREICH – notfalls müsse man Doskozil bei einem Sonderparteipräsidium zur Rede stellen. Das Rendi-Lager wirft ja „Dosko“ vor, selbst den Vorsitz übernehmen zu wollen. Was der aber abstreitet.
Rendi: "Ich wollte mich vor die Partei stellen"
Genervt. Die meisten in der SPÖ sind aber einfach von der Streiterei genervt – selbst Rendi Wohlgesonnene finden, dass sie mit dem Unehrlich-Vorwurf den Bogen überspannt hat. Am Dienstag rückten jedenfalls die beiden wichtigsten Parteigranden – Michael Ludwig und Peter Kaiser – aus, um einmal auf den Tisch zu hauen: „Reißts euch endlich zusammen!“ (s. r.).
In der SPÖ-Zentrale kontert man, Rendi habe „sich vor die Partei stellen wollen“ und ein Machtwort an Doskozil richten wollen.
Machtwort ohne Macht? Nur: Das kam schlecht an. „Sie muss doch als Chefin die Partei zusammenhalten. Haben Sie einmal gehört, dass die Vorsitzende derart scharf gegen Kanzler Kurz vorgeht? Ich noch nicht“, so ein SPÖ-Funktionär.
Rendi wackelt. Tatsächlich wackelt der Sessel Rendis seit den blamablen 75,3 % am SPÖ-Parteitag zumindest mittelfristig. Sogar der stets treue Kärntner Kaiser war zuletzt nicht bereit, sich auf eine Rendi-Kandidatur bei der nächsten Nationalratswahl festzulegen. Und tatsächlich gibt es eine erste Rücktrittsforderung: Der Salzburger AK-Präsident Peter Eder fordert in ÖSTERREICH andere personelle Überlegungen. Nur: Wer soll es machen? Dass der vielfach gelobte Wiener Stadtrat Peter Hanke in den Bund wechselt – das schloss Ludwig schon mal aus.
(gü)
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